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Short stories - Alles außer Sport

 

Du bist nie allein
Juni 2008 - by Oliver Keck

Sandra stand an der Bushaltestelle, als ihr Handy klingelte. Hektisch kramte sie in ihrer Handtasche. Verdammter Mist, dachte sie sich. Das Klingeln wollte nicht enden. Endlich bekam sie das Telefon in den geheimnisvollen Tiefen ihres wertvollsten Begleiters zu fassen und schaute aufs Display. Sie sah, dass die Rufnummer unterdrückt wurde und runzelte verwundert die Stirn.
Fragend meldete sie sich: „Hallo?“
Sie hörte nur Rauschen und es bildete sich eine kleine Falte zwischen ihren Augen. Ein sicheres Zeichen dafür, dass sie sich ärgerte. Sie wollte gerade die Verbindung unterbrechen, als eine Stimme in ihr Ohr flüsterte. Es war ein unangenehmer Tonfall, der ihr gleich mehrere eiskalte Schauer trotz strahlenden Sonnenscheins über den Rücken jagte.
„Hallo Kleine. Geht’s dir gut?“
„Wer sind Sie? Woher haben Sie diese Nummer“
„Ach, das ist völlig ohne Belang. Sagen wir, ich bin ein Bewunderer von dir! Ich beobachte dich schon lange. Jeden Tag. Und jede Nacht. Ich bin dein größter Fan.“
„Ich glaube eher, Sie sind ein perverser Spinner. Ich lege jetzt auf und wagen Sie nicht, mich nochmals anzurufen. Sonst gehe ich zur Polizei.“ Sie hörte höhnisches Lachen und unterbrach die Verbindung. Mit einer Mischung aus Angst, Ekel und Entsetzen starrte sie auf das Handy in ihrer Hand, das nach wenigen Augenblicken wieder klingelte. Keine Nummer auf dem Display. Mehr aus einem Reflex heraus nahm sie das Gespräch an.
„Du willst wirklich zur Polizei gehen? Wenn du mit dem Bus fährst, auf den du wartest, bist du schneller!“
Sandra zuckte zusammen, als hätte ihr eine unsichtbare Hand ins Genick geschlagen. Gehetzt sah sie sich um.
„Du brauchst gar nicht nach mir zu suchen. Du wirst mich nicht finden. Aber ich werde dich finden. Es dauert nicht mehr lange, meine Liebe.“ Die Verbindung wurde unterbrochen. Die letzten beiden Worte lösten ein fieses Ziehen in ihrem Magen aus. Schweißperlen hatten sich auf ihrer Stirn gebildet und sie war sicher, dass die sommerlichen Temperaturen nicht Schuld daran waren. Der Bus fuhr an und schnell stieg sie mit zitternden Knien ein. Der Fahrer betrachtete sie besorgt.
„Ist Ihnen nicht gut? Kann ich irgendetwas für Sie tun?“
„Nein, danke, es geht schon. Ich hatte einen harten Tag und bin nur ein wenig erschöpft.“ Sie zwang sich zu einem freundlichen Lächeln und nahm direkt hinter dem Fahrer Platz. Der Bus brachte sie schnell in die City. Sie machte sich sofort auf zum nächsten T-Punkt, um ihre Rufnummer ändern zu lassen. Mittlerweile ärgerte sie sich über sich selbst, dass es diesem Spinner gelungen war, ihr solch einen Schrecken einzujagen. Wusste der berühmte Geier, wie er an ihre Rufnummer gekommen war. Wahrscheinlich hatte er einfach planlos ein paar Ziffern eingetippt und war dummerweise bei ihr rausgekommen. Eine andere Rufnummer und das Problem würde sich in Wohlgefallen auflösen. Dass er sie wohl beobachtet hatte, verdrängte sie einfach.

Der freundliche Mitarbeiter im T-Punkt hatte sich ihr Problem genau angehört. Sie bekam von ihm eine neue Rufnummer zugeteilt und er versprach ihr, dass sie innerhalb der nächsten Stunden frei geschaltet würde. Sandra freute sich sichtlich, dass ihr so unkompliziert geholfen wurde. Sie bedankte sich und schlenderte noch ein wenig ziellos durch die Fußgängerzone. Eigentlich hatte sie Shoppen gehen wollen, aber die Lust war ihr vergangen. Wenn sie nur daran dachte, dass sie ihre Familie und Freunde von der neuen Nummer unterrichten musste. Sie seufzte. Sie hatte eine große Familie und viele Freunde. Und alles nur wegen so einem….
Sie vergaß für einen Moment ihren Ärger. Sie hatte im Schaufenster eines Modehauses einen tollen Rock erspäht, dessen Preis nicht abgehoben war. Den sollte ich mir auf den Schreck hin gönnen, dachte sie vergnügt und betrat die Boutique. Sie probierte das Kleidungsstück an. Hätte ein Schneider sein Maßband bei ihr angelegt, hätte der Rock nicht besser passen können. Er betonte gut ihre langen, schlanken Beine. Sie war begeistert. Rasch zog sie sich wieder um, zahlte an der Kasse und fuhr mit dem Bus nach Hause.
Sie hatte mit ihrem Freund Thomas zusammen vor ein paar Monaten eine Eigentumswohnung in einem Neubaugebiet am Stadtrand von Ludwigshafen gekauft, in die sie vor wenigen Tagen eingezogen waren. Sandra liebte ihre neue Wohnung. Sie hatten sich zusammen rechtzeitig mit dem Architekten in Verbindung gesetzt, so dass sie noch vor Beginn der Bautätigkeit ein wenig auf die Planung Einfluss nehmen konnten. In der Maisonettewohnung führte eine Wendeltreppe in den oberen Bereich, in dem sich ihr Schlafzimmer und ein großes Bad befanden. Beinahe der gesamte untere Teil wurde von einem geräumigen Wohn- und Esszimmerbereich ausgefüllt, der schon früh morgens wegen der großen Fensterfront zum Balkon hin sonnendurchflutet war. Nur die Küche und die Gästetoilette waren abgetrennt in separaten Räumen. Die Terrasse war ebenfalls sehr geräumig und bot ausreichend Gelegenheit zum Sonnenbaden. Eine geschickte Bauweise schützte vor allzu neugierigen Blicken.
Ihre Freude wurde ein kleinwenig getrübt, da Thomas für zwei Wochen auf Dienstreise war. Und es waren erst drei Tage vergangen. Sie musste noch fast zehn Nächte allein in der Wohnung verbringen. Schlimmer noch, sie verbrachte die Nächte sogar alleine im ganzen Haus, da noch keine weiteren Eigentümer eingezogen waren. Wie gesagt, sie liebte ihr erstes eigenes Zuhause, aber nachts so alleine war schon ein wenig unheimlich. Sei kein Hasenfuß, schimpfte sie sich selbst aus. Was soll da schon passieren. Eine Antwort darauf, sollte sie in den nächsten Stunden erhalten.

Die Fahrt im Bus hatte sie müde gemacht. Es war schon nach 20.00 Uhr. Sie wollte sich schnell eine Kleinigkeit zu Essen machen und dann noch ein paar Minuten fern sehen oder lesen. Sie würde sich in ihre Lieblingsdecke kuscheln und sobald die Müdigkeit zu groß würde, ins Bett gehen. Morgen war Freitag. Sie hatte im Geschäft ein anstrengendes Meeting vor sich. Allerdings wollte sie auch für den Abend fit sein, wo sie sich mit einer Freundin für die Disco verabredet hatte.
Zum Glück hatte sie es nicht weit von der Bushaltestelle bis zu ihrem Dreifamilienhaus. Ihre Handtasche und die Einkaufstüte schienen dennoch auf einmal Tonnen zu wiegen. Mühsam unterdrückte sie ein Gähnen, öffnete die Haustür und betrat das Treppenhaus. Normalerweise benutzte sie immer die Treppen, um zu ihrer Wohnung im obersten Stockwerk zu kommen, aber heute zog sie doch den Lift vor. Geräuschlos schwebte der moderne Fahrstuhl nach oben. Die Tür des Fahrstuhls schwang auf und Dunkelheit umfing sie wie ein schwerer samtener Vorhang. Es waren nur drei Schritte vom Aufzug zu ihrer Wohnungstür. Das Treppenhaus war erfreulich klein ausgefallen, zu Gunsten der Wohnungen auf den einzelnen Etagen. Sie machte kein Licht an, fand zielsicher das Schlüsselloch und drehte den Schlüssel. Mit einem leisen Klacken im Schloss schwang die Tür zurück. Für den Bruchteil einer Sekunde hörte sie ein Geräusch hinter sich. Bevor sie den Kopf drehen konnte, stürzte sie, von einem brutalen Stoß in den Rücken aus dem Gleichgewicht gebracht, in ihre Wohnung. Die Tür fiel hinter ihr ins Schloss. Eine nach Wildleder riechende Hand griff ihr von hinten in die Haare und riss ihrem Kopf brutal in den Nacken. Sie spürte etwas Kaltes, Metallisches an ihrem Hals.
„Keinen Mucks, du Schlampe. Sonst schneide ich dir die Rübe ab.“
Sandra erstarrte. Bevor sie irgendetwas erwidern konnte, verschwand der metallische Gegenstand wieder, ihr Kopf wurde ein weiteres Stück angehoben und dann mit brutaler Wucht auf den gefliesten Boden geschlagen. Sie verlor augenblicklich das Bewusstsein.

Als sie aus der gnädigen Dunkelheit zurück ans Tageslicht tauchte, saß sie auf einem ihrer Esszimmerstühle. Langsam realisierte ihr Unterbewusstsein eine merkwürdige Kälte. Sie benötigte noch einige Momente bevor ihr Verstand signalisierte, dass ihre Arme hinter der Stuhllehne und ihre Füße an die metallenen Stuhlbeine gebunden worden waren. Über ihre nackte Haut kroch die Kälte des Metalls langsam in ihren Körper. Ruckartig riss sie ihren bis dahin willenlos nach vorne gesunkenen Kopf in den Nacken und öffnete entsetzt die Augen. Kälte? Nackte Haut? Sie schaute nochmals an sich runter und konnte es kaum glauben. Aber sie war tatsächlich vollkommen nackt. Sie versuchte ihre gespreizten Schenkel irgendwie zu schließen, aber der Typ, der sie überfallen hatte, verstand sein Handwerk. Sie konnte sich nicht einen Zentimeter bewegen und war den gierigen Blicken ihres Peinigers auf ihren glatt rasierten Intimbereich hilflos ausgeliefert. Verwirrt sah sie sich um. Durch mehrere kleine Schlitze in den heruntergelassenen Rollläden ihres Wohnzimmers konnte sie erkennen, dass die Nacht den Tag endgültig besiegt hatte. Ihr höchstpeinlicher Sitz befand sich neben der Terrassenfront. Sie hörte Geräusche hinter sich in der Küche, konnte aber kaum etwas erkennen. Sie hätte ihren Kopf wie ein Vogel um fast 180 Grad drehen müssen. Es klapperte in ihrer Küche, als würde der Eindringling kochen. Jetzt nahm sie auch den Geruch von Essen wahr.
Wann würde sie aus diesem Alptraum erwachen? Sie spannte alle Muskeln an, aber die dünne Angelschnur, mit der sie verschnürt worden war, schnitt ihr nur tiefer ins Fleisch. Sie unternahm den verzweifelten Versuch aufzustehen. Das hatte lediglich zur Folge, dass der Stuhl durch das kurze Anlupfen zu einem klackenden Geräusch auf dem Boden führte. Sofort verstummte das Geklapper in der Küche und Schritte näherten sich.
„Hallo, kleine Schlampe. Bist du endlich aufgewacht? Wird auch Zeit. Wir haben schließlich noch viel vor heute Nacht.“
„Wer sind Sie? Was wollen Sie?“ Ihre Stimme war ein Tick zu schrill, sie konnte aber nichts dagegen tun.
„Wer ich bin? Wer ich bin??? Ich bin der, der sich gemütlich mit dir am Telefon unterhalten wollte. Mehr nicht. Aber du Schlampe warst ja besonders schlau. Hast die Nummer ändern lassen.“ Er war drohend auf sie zugekommen und verpasste ihr mit der flachen Hand eine schallende Ohrfeige, der ihren Kopf weit in den Nacken riss. Der Lederhandschuh dämpfte das klatschende Geräusch. „Was hast du dir dabei gedacht? Dir werde ich helfen, deinen größten Fan zu enttäuschen. Du wist schon sehen, was du davon hast“ Ohne sie weiter zu beachten, trottete er wieder in Richtung Küche.
Sandras Wange brannte wie Feuer. Sie kämpfte mit den Tränen und konnte nur mühsam ihre Panik unter Kontrolle halten. Fieberhaft arbeiteten ihre Gedanken. Gehetzt sah sie sich um, suchte einen Ausweg aus der Falle. Es gab keinen. Diese Erkenntnis ließ eine Welle der Verzweiflung mit unbändiger Macht in ihr aufkeimen. Nur mit Mühe konnte sie ein lautes Schluchzen verhindern. Sie wollte auf keinen Fall, dass ihr Peiniger etwas von ihrer Verzweiflung mitbekam. Sie versuchte erneut wie ein Berserker ihre Handfesseln aufzubekommen. Der einzige Erfolg war, dass spürte, wie warmes Blut aus ihren geschundenen Handgelenken ihren Fingern entlang rann. Schmerzen machten sich immer heftiger bemerkbar. Kriechend wie ein ekliger Wurm kroch die Kälte weiter durch ihren Körper und ließ sie zittern. Nach einigen Augenblicken hörte sie erneut Schritte aus der Küche kommen. Der Typ setzte sich ihr gegenüber auf die Couch, wo sie sich vor wenigen Stunden noch gedanklich in ihre Decke einkuscheln wollte. Er hatte sich tatsächlich etwas zu Essen gemacht.
„Das passt zu dir. Kaum was zu Fressen im Kühlschrank. Was bist du nur für eine miese Schlampe?“ fragte er sie und musterte sie mit gierigen Blicken. Er schien förmlich in sie hineinkriechen zu wollen. Sandra blieb die Gier in den Blicken nicht verborgen. Sie hatte sich wieder unter Kontrolle und wollte versuchen, aus ihrer Lage irgendwie Kapital zu schlagen. Sie versuchte, dem Klang ihrer Stimme einen warmen Klang zu geben.
„Bitte hören Sie. Ich sehe ein, dass mein Verhalten Ihnen gegenüber nicht korrekt war. Das ist mir jetzt klar geworden. Vielleicht kann ich irgendwie wieder gut machen?“ Sie versuchte, ihrem Blick einen ebenfalls begehrliche Nuance zugeben, was ihr aber gründlich misslang. Ihr Gegenüber bemerkte dies aber gar nicht, sondern sprang wütend von der Couch. Der Anblick ihres nackten Fleisches schien ihn durchdrehen zu lassen.
„Was bildest du dir eigentlich ein, Miststück? Willst mich wohl verarschen. Dir werde ich es zeigen. Ich werde dich ficken, wie dich noch nie einer gefickt hat. Und dann bringe ich dich um, schneide dich in Stücke und werde dich aufessen. Vielleicht bist du wenigstens dafür zu gebrauchen.“ Das anschließende Lachen hatte nichts Menschliches an sich. Wie ein Tier riss er sich die Kleider vom Leib. Zum Vorschein kam ein aufgedunsener Leib, dessen leicht gelblich schimmernde Haut aussah, als würde es ihr nur mit letzter Anspannung gelingen, nicht unter dem Druck der Fettschichten zu zerreißen. Angeekelt starrte Sandra auf den sich vor ihr aufbauenden Leib. Das Wabbeln des Fetts erinnerte sie eher an das unförmige Gebilde einer Qualle, als an einen Menschen. Nur mit Mühe gelang es diesem Psychopathen beim Ausziehen seine Hosen nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Mit vor Erregung zitternden Fingern streifte er seine vor Schmutz starrende Unterhose nach unten und zum Vorschein kam sein erigiertes Glied. Er ging vor ihr in eine sitzende Stellung und betatschte seinen behandschuhten Fingern ihre straffen Brüste. Ein Stöhnen, das all seine Erregung ausdrückte, drang zwischen seinen Lippen hervor. Sein Gesicht näherte sich dem ihrem und sie roch seinen schlechten Atem. Er setzte sich vor ihr auf den Stuhl, zog einen Handschuh aus und griff nach unten. Seine Finger drangen brutal in ihre Scheide ein. „Ha, dachte ich es mir doch. Du bist schon nass. Du willst ja von mir gefickt werden. Das kannst du haben.“ Er rutschte näher und Sandra spürte den harten pulsierenden Schwanz an der Innenseite ihrer Schenkel. Sie sah ihm in die Augen und erkannte nur noch Wahnsinn.
„Hör mal“, presste sie zwischen den Zähnen hervor. „Warum den gleich so eilig. Soll ich dich nicht vorher ein wenig verwöhnen? Komm hoch, ich blas dir einen.“ Ihr Peiniger hielt einen Moment inne und schlug sich mit der flachen Hand auf die Stirn. „Du willst wohl deinen Arsch retten, aber das wird dir nicht viel nützen. Andererseits hast du Recht.“ Er sprang wieder auf. „Hier, los, nimm ihn schon in dein Maul“, hechelte er, „wenn du gut bist, lass ich dich vielleicht sogar am Leben.“ Sandra konnte gerade noch ihren Kopf zur Seite drehen. Mühsam würgte sie ihr Mittagessen, das sich kontinuierlich den Weg durch ihre Speiseröhre nach oben bahnte, wieder herunter. „Hey, nicht so schnell. Ich meine es Ernst. Ich will dich richtig verwöhnen. Binde einfach meine Hände los, dann kann ich dich auch richtig massieren.“
„Massieren ist gut. Ja, wirklich gut. Schön fest, Dreckstück.“ Er drehte sich abrupt um und nahm das Küchenmesser, das neben seinem auf dem Wohnzimmertisch abgestellten Teller lag und kam auf sie zu. Sandra konnte mit einem kurzen Blick nicht realisieren, ob er nun wirklich ihre Fesseln oder ihr den Hals durchschneiden wollte. Todesangst lähmte sie. Ihr Peiniger sah sie einen kurzen Augenblick zögernd an. „Also gut. Aber bei den geringsten Mätzchen schneide ich dich in Stücke. Und zwar ganz langsam, dass du auch etwas davon hast.“
Er beugte sich über sie hinweg und zerschnitt die Silikonschnur, die ihr die Hände gefesselt hatten. Sandra stöhnte vor Schmerz auf, als ihr Blut wieder in den geschundenen Fingern zu zirkulieren begann. Natürlich kam das Stöhnen bei ihrem Gegenüber falsch an. „Du bist wirklich der letzte Dreck. So ein geiles Miststück. Los, blas mir jetzt endlich einen!“ Er hielt ihr die Klinge des Messers unmissverständlich an den Hals.
Sandra überwand ihren Ekel und nahm den geschwollenen Phallus ihres Peinigers in die rechte Hand und drückte ihn vorsichtig. Sofort hörte sie ein lautes Stöhnen. Ihre Lippen schlossen sich um das Glied und vorsichtig bewegte sie ihren Kopf vor und zurück. Das Stöhnen über ihr verwandelte sich in ein hemmungsloses Schreien. Sie spürte, wie sich das Messer von ihrem Hals entfernte und kitzelte mit ihrer Zunge die Spitze der Eichel. Gerade als das Zucken in ihrem Mund immer stärker wurde, biss sie erbarmungslos zu. Sie spürte, wie etwas Fleischiges in ihren Mundraum fiel und nahm augenblicklich den Geschmack von Blut war. Das lustvolle Stöhnen über ihr war verstummt und eine bedrohlich Stille erfüllte den Raum. Aber nur kurz. Der Mann schrie wie von Sinnen vor Schmerzen und sank vor ihr auf Knie. Das Messer glitt ihm aus der Hand. Sandra konnte nicht mehr. Sie musste dem Würgen nachgeben, spuckte aus und bevor sie es verhindern konnte, kotzte sie dem vor ihr knienden Peiniger mitten ins Gesicht. Er bekam das überhaupt nicht mit. Die vor Entsetzen weit aufgerissenen Augen waren verdreht. Sandra bekam das Gefühl, in die toten, weißen Augen eines Zombies zu schauen. Sie wischte sich immer noch angeekelt über den Mund, verschloss dann ihre Hände zu einer Faust, holte so weit es ihre gefesselten Beine zuließen Schwung und schlug ihrem Peiniger so fest sie nur konnte seitlich ins Gesicht. Er fiel nach hinten wie ein nasser Sack und jammerte vor sich hin. Sandra nutzte die Gunst, schnappte sich das Messer und löste auch ihre Beinfesseln. Sie erhob sich vom Stuhl und wäre beinahe zusammengesackt, weil ihre Beine nach der langen Zeit in der unnatürlichen Haltung ihren Dienst versagen wollten. Dieses Schwächegefühl verschwand schnell. Sie sah auf den zuckenden Körper vor ihren Füßen und sie spürte abgrundtiefen Hass in sich aufflammen. Sie umrundete den auf der Seite, wie ein Kleinkind zusammengerollten Körper und trat ihn mit voller Wucht zwischen die Beine. Ein Schrei folgte ihrer Aktion. Sie trat wieder zu. Und wieder. Immer schneller. Ihr Puls raste und es dauerte einige Minuten, bis sie aus ihrer Raserei wieder erwachte. Ihr rechter Fuß war dunkelrot vom vielen Blut verfärbt. Selbst auf ihrem Gesicht spürte sie Blutspritzer. Sie nahm das Messer fest in ihre rechte Hand und näherte sich dem Gesicht des Psychopathen. Keine Reaktion. Er hatte das Bewusstsein verloren. Schnell stürzte sie zum Sideboard, nahm das Telefon und rief bei der Polizei an. Sie war zu verwirrt, um den Beamten zu schildern, was genau geschehen war. Sie schrie in den Hörer, dass sie sofort kommen sollten. Sie hätte eine Scheißangst. Der Beamte auf der anderen Seite der Leitung sprach beruhigend auf sie ein. Als er Sandra die Adresse aus der Nase gezogen hatte, versprach er, schnellstmöglich einen Streifenwagen vorbei zu schicken. Er versuchte weiterhin, sie zu beruhigen. Nach wenigen Minuten klopfte es plötzlich an der Tür.
„Wer ist da?“, rief sie ängstlich und überzeugte sich mit einem kurzen Blick, dass von ihrem Peiniger keine Gefahr mehr ausging.
„Polizei. Sie haben um Hilfe gerufen. Bitte öffnen Sie die Tür.“
„Wie sind Sie hier heraufgekommen?“
„Wir haben die Eingangstür gewaltsam geöffnet. Nun machen Sie schon die Tür auf, schnell!“
Sandra spähte durch den Türspion, erkannte die Uniformen und öffnete erleichtert die Tür. Eine weibliche Beamtin betrat den Raum und nahm die immer noch völlig nackte Sandra beruhigend in die Arme. Nicht jedoch, ohne sich vorher mit ihrem Kollegen ob des vielen Blutes an Sandras Körper kurz mit einem Blick zu verständigen. „Im Wohnzimmer…“ Sandras Stimme erstickte in Tränen, ihr Körper zitterte hemmungslos in den Armen der Beamtin. Ihr Kollege zog die Pistole und begab sich ins Wohnzimmer. Mit routiniertem Blick erkannte er, dass von dem Bewusstlosen momentan nichts zu befürchten war. Er holte sein Funkgerät aus seiner Jacke, verständigte seine Zentrale und bat um einen Krankenwagen.

Eine Woche später fuhr sie mit Thomas, der seine Reise sofort abgebrochen hatte, zur Polizei, um ihre im Krankenhaus getätigte Aussage zu unterschreiben. Mittlerweile hatte sie erfahren, dass der Mann, der sie aufgelauert hatte, ein von Interpol gesuchter Massenmörder war, der schon mehr als zwanzig Frauen auf übelste Weise ermordet hatte. Die Ärzte hatten ihn mit Hilfe einer Notoperation retten können. Ihm würde der Prozess wegen mehrfachen Mordes und versuchten Mordes, von den Sexualdelikten mal ganz zu Schweigen, gemacht werden. Der ermittelnde Beamte, der ihre Aussagen am Krankenbett aufgenommen hatte, versicherte ihr, dass der als „Der Schlitzer von Rostock“ bekannte Psychopath für immer weggeschlossen werden würde.
Auf der Polizeiwache wurden Sandra und Thomas zum Revierleiter gebracht. Er empfing die beiden mit einem freundlichen Lächeln.
„Guten Tag, Frau Weber.“ Mit einem Nicken grüßte er auch in Thomas Richtung. „Tja, eigentlich sollen Sie ja heute Ihre Aussagen nochmals genau durchlesen und mit Ihrer Unterschrift bestätigen. Dann wollte ich Sie eigentlich fragen, ob…ob Sie gegen den Täter vor Gericht aussagen würden.“ Sandra wurde blass. Schlagartig war die Erinnerung an ihre schlimmsten Stunden zurückgekehrt. „Keine Angst. Der Verdächtige hat letzte Nacht im Krankenhaus Selbstmord begangen. Ihre Aussage wird zu den Akten genommen und der Fall geschlossen.“
Sandra konnte ihre Erleichterung nicht verbergen. Sie unterhielten sich noch kurz und verließen wieder gemeinsam das Revier.
Sie kuschelte sich eng an Thomas und flüsterte: „Weißt du, manchmal gibt es doch Gerechtigkeit auf dieser Welt.“
Statt einer Antwort zog Thomas sie nur noch fester zu sich heran.

 

 

 

 

 

 

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