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Jupp der Eirenmän - Hero von nebenan

 

Ausgebremst!!!
Juni 2009 - by Oliver Keck

Jupp der EirenmänJupp leidet. Jupp wimmert. Jupp ist sicher, dass ihm bald der Himmel auf den Kopf fallen wird. Und seine beiden Mädels zuhause sind extrem genervt und würden am liebsten den WWF alarmieren, wenn sie doch nur telefonieren könnten.
Was ist geschehen? Unser Eiermän schlägt sich mit einer Erkältung herum. Und das Mitten im Juni. Lutscher am Hinterrad? Typen, die versuchen, im Eifer des Gefechts einem den Neo aufzureißen? Alles kein Problem. Aber gegen so etwas ist kein Held der Landstraße gefeit. Hier muss selbst unser Hero klein beigeben und schauen, dass er sich vor lauter Frust nicht hinter einen Zug wirft.

Jupp versucht mit letzter Kraft, seine eine Katze Pepples zu schnappen und „Zwangs-zu-kraulen“. Da er dieses Vorhaben allerdings quasi mit einer Postkarte angekündigt hat, ist es ihr ein leichtes, seinen grabschenden Händen auszuweichen. Jupp heult verzweifelt auf: „Buhuuu, keiner mag mich. Nicht einmal ihr beide haltet in der Zeit größter Not zu mir. Weiber!“

Das zuletzt scharf akzentuierte Schimpfwort ging in einem gehusteten Röcheln – oder war es ein röchelndes Husten – unter. Mit theatralischer Geste greift sich unser Hero an die geschwollene Hühnerbrust. Eine Geste, die seine beiden vierbeinigen Mitbewohnerinnen in keiner Weise beeindruckt. Im Gegenteil, sie versuchen ihm mit zielstrebigem Lauf Richtung Küche zu suggerieren, dass Zeit für die nächste Fütterung sei.
„Vergesst es, ihr blöden Viecher. Wenn ihr gemein zu mir seid, bin ich auch gemein zu euch. Oh mein Gott, ich glaube, ich muss sterben. Diese Schmerzen…“
Jupp versucht zu schlucken und gibt dieses Vorhaben aber auf halben Weg wieder auf. Husten, Schnupfen, Kopf- und Gliederschmerzen und gefühlte 57,3° C Körpertemperatur. Er könnte jetzt eine ganze Wanne NICKINACKI MEDIATTACKI leer saufen, sich ins Bett legen und hoffen, dass er alles bald hinter sich hat. Aber was macht unser Eiermän. Er muss zunächst in der Firma mit den vier großen Buchstaben anrufen und mitteilen, dass er heute und wahrscheinlich den Rest des Jahres nicht mehr kommen wird.

Nach endlosem Klingeln…wo ist denn nur die Vorzimmerschlampe?…nimmt die Sekretärin seines Herrn und Meisters endlich ab. Sicher hat sie auf ihrem Display schon seine Nummer erkannt. Ansonsten wäre es eine Frechheit, wenn sie sich jedem Anrufer gegenüber mit einer derart arroganten Stimme melden würde.

„Ja, hallo Frau, ähh, Müller. Hier Jupp…was??? Ja, natürlich der Jupp aus dem Controlling!“ krächzt Jupp verärgert in die Muschel, was er sofort mit einem weiteren krampfartigen Gebell quittieren muss. Empört stöhnt er in den Hörer.
„Sagen Sie mal, wollen Sie mich umbringen? Sagen Sie bitte meinem Chef, dass ich heute nicht kommen kann. Mich hat eine Erkältung dahin gerafft. Wie lange schon? Na seit heute natürlich. Ich versuche morgen wieder zu kommen, aber ehrlich gesagt, ich bereite eher mein Ableben vor. Wie??? Das freut Sie??? Dachte ich mir, daher war es auch nur ein Scherz. Also, falls es morgen nicht besser ist, gehe ich zum Arzt. Ja, morgen. Wiederhören.“

Was mit einem lauten Knall einhergehen soll, der ihr signalisiert, dass sie mit ihm, dem König der Athleten, so nicht umspringen darf, endet mit einem blinden Stochern nach der Gabel, bis ihm der Hörer schließlich aus der Hand rutscht und auf den Boden knallt. Unmöglich sich zu bücken. Jupp nästelt am Kabel herum, zieht mit einem gewaltigen Kraftakt den Hörer nach oben und schafft es schließlich, doch aufzulegen. Das ohrenbetäubende Pfeifen, das sich wie ein Presslufthammer durch seine Gehörgänge gebohrt hat, verschwindet endlich.

Völlig erschöpft schleppt sich Jupp zurück ins Wohnzimmer und drapiert seinen Astralkörper im Wohnzimmer. Um sich in seinen letzten verbleibenden Stunden von seinen Schmerzen abzulenken, zappt unser Hero ein wenig durch das morgendliche Fernsehprogramm. Und siehe da, erstaunlicherweise bleibt er bei CONTINENTALSPORTS hängen. Wie es der Zufall so will, bringen die doch tatsächlich eine rund dreißig Minuten dauernde Zusammenfassung vom Ironman Lanzarote, der letzten Monat stattfand.
Jupp überlegt gerade, ob er sein Testament auf dem aktuellen Stand hat und zieht geräuschvoll die Nase hoch, als er wie von der Tarantel gestochen vom Sofa hochspritzt und Luna, die gerade Kurs auf seinen noch immer beträchtlichen Bauch genommen hat, in wilder Panik davonläuft. Unser Hero traut seinen Augen nicht.

Auf der Mattscheibe ist ganz deutlich die widerliche Fresse seines ehemaligen Nachbarn aus seiner Heimat zu erkennen, der immer meinte, Jupp könne von ihm noch was lernen. Und was denn jetzt noch? Die halten dem doch tatsächlich ein Mikro unter die Nase. Fassungslos glotzt Jupp auf den Bildschirm und nimmt das Gesprochene zunächst nur bruchstückhaft wahr, aber dann…

„Sicher doch, war eine astreine Show von mir. Konkurrenten, was für Konkurrenten? Habe ich keine mehr in meiner Altersklasse. Die sind schon alle gestorben. Ziele? Was für Ziele? Superman hat keine Ziele, der hat schon alles erreicht.“ Der arme Irre schlägt sich lachend auf die Schenkel. „Nee, mal im Ernst. Im Oktober werde ich Hawaii rocken. Es gibt da in meiner Heimat nämlich so’n Weichei, das meint, es hätte unseren geliebten Sport erfunden. Dabei bringt er eigentlich nur Schande über uns. Den will ich vernichtend schlagen. Obwohl, wie soll der es eigentlich nach Hawaii schaffen?“ Gut gelaunt schlägt er dem ziemlich doof schauenden Reporter auf die Schulter und wackelt von dannen. Doof schauend, weil er auf ein Statement in Englisch gewartet hat. Aber da kann man bei dem Trottel lange warten.

Aber die Message kam ja an. Und wie! Jupps Birne hat eine verblüffende Ähnlichkeit mit einer Tomate angenommen und ihm wird auf einmal so richtig heiß. Unser Hero denkt gar nicht daran, dass es Fieber sein könnte. Dafür ist sein Hals jetzt sicher 10 cm mehr angeschwollen.
„Dieses Arschloch. Na warte, wir werden im Pazifik sehen, wer hier wen vernichtet. Liebesgrüße sende ich dir schon in wenigen Wochen aus Frankfurt.“ Blitzschnell entledigt sich Jupp seines heimatlichen Schlabberlooks und fährt in seinen Einteiler. Gefühlte 2 Sekunden später ist er im Keller und trägt seinen Hightech-Carbon-Hyper-Dyper-Hobel nach oben. „Und dann wollen wir doch gleich mal loslegen. 160 km mit anschließendem 25 km Koppellauf. Das alles in einem Tempo, in dem kein Auge trocken bleibt…“

Wie war das mit leidend? Sicher, anfangs der Geschichte konnte man durchaus daran denken, dass dies die letzte Geschichte über unseren Helden auf dem Weg in den Olymp sein wird. Jetzt, da die niederen Instinkte wieder geweckt wurden, kann man nur sagen: Männer!!!

 

Jupp der Eirenmän

 

 

 

 

 

 

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