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Jupp der Eirenmän - Hero von nebenan

 

Auf dem Weg zum Olymp!!!
Juli 2009 - by Oliver Keck

Jupp der EirenmänJetzt ist es endlich so weit. Das Feld ist längst bestellt und es wird Zeit, die Früchte der harten Arbeit zu ernten. Jupp ruht quasi in sich selbst, denn er weiß, auf dem Weg in den triathletischen Olymp kann ihn niemand aufhalten. Was ihn aber nicht daran hindern wird, bei den Europameisterschaften in Frankfurt beim dortigen Teutonen-Eiermän die Lorbeeren einzuheimsen. Da werden wieder viele weinend am Streckenrand stehen.

Da wären zunächst die ganzen Frauen, na ja gut, sind wir mal ehrlich, seine ganze Groupies, die schon das ganze Jahr über seine Heimatdomizil belagern würden, wenn es ihm nicht gelänge strikte Anonymität zu wahren. Damit erklärt unser Hero die – sagen wir wohlwollend – bescheidenen Trainingsleistungen. Gute Tarnung ist eben alles. Aber einmal im Jahr muss er sich eben als Eiermän auf einem Eiermän seinen ihn huldigenden weiblichen Fans zeigen. Seine einzige Sorge gilt dann, wie kommt er verletzungsfrei und noch einigermaßen bekleidet auf der Ziellinie an.

Dann gibt es da natürlich die Männer, meist sogar Ehemänner oder zumindest doch Lebensabschnittsgefährten seiner Groupies. Jupp kann sich sogar ein wenig in sie hineinversetzen. Muss wirklich verdammt schwer sein, wenn man sich das ganze Jahr über für die holde Weiblichkeit zum Affen macht und dennoch immer im Hinterkopf ein kleines Teufelchen sitzen hat, dass einem die drohende Chancenlosigkeit am Tag X permanent souffliert. Und wenn man nicht gleich mit einem Schreiben von sabbernden, weil viel Kohle witternden, Scheidungsanwälten konfrontiert werden will, hält man am Besten dennoch die Füße still.

Letztlich noch die Konkurrenz…wer??? Na ja, Jupp zuckt gelangweilt mit den Schultern. So heißt das Wort eben. Was kann er dafür. In Jupps Augen sind es eigentlich mehr die Spielbälle, die dafür sorgen, dass er nicht alleine über die weiträumigen Wettkampfstrecken hechelt. Nebenbei sichern sie auch den Veranstaltern ihr wirtschaftliches Überleben. Aber irgendjemanden, der ihn in den letzten fünf Jahrzehnten, in welcher Situation auch immer, ernsthaft bei irgendetwas hätte gefährden können? Absolute Fehlanzeige. Dazu ist unser Hero einfach viel zu gut.

Dementsprechend entspannt reißt Jupp in der hessischen Bankenmetropole an. Banken??? Banken??? Da war doch was. Jupps Halsschlagader schwillt bedrohlich an, aber dann atmet er doch ganz entspannt wieder aus. Er will sich die schönste Zeit des Jahres nicht von einem drohenden Schwarm Heuschrecken verhageln lassen. Wobei wir bildlich gesprochen wieder bei der Ernte wären. Flugs das Hyper-Dyper-Cabon-Boliden-Pferdchen an seinen Stellplatz gebracht und das Laufequipment bei den freundlichen Helfern abgegeben.
Anschließend noch den Körper mit dem Verzehr einer mittleren, drei Kilogramm schweren Portion Spaghetti verwöhnt, die Jupp mit fünf dunklen Hefeweizen heruntergespült hat. Das fördert den Schlaf, denn die Nacht am Race-Day ist schneller vorbei, als man sich das wünschen kann.

Um 04.00 Uhr am Sonntagmorgen reißt ein schrilles Klingeln unseren Hero aus seinen Träumen. Laut fluchend schält sich Jupp aus seiner Decke. Gerade hat ihm Veranstaltungschef Karl von Grübel die Goldmedaille und Siegerkranz für seine heroische Leistung überreicht und mit tiefem Bedauern seine Empfindungen zum Ausdruck gebracht, dass Jupp nicht in der Pro-Kategorie gestartet sei. Gerne hätte er ihm den Extra-Scheck für den neuen Streckenrekord überreicht. Jupp wollte gerade zu einer seinem göttlichen Wesen angemessenen Dankesrede ansetzen, als dieser hässliche Wecker ihn aus dem Schlaf gerissen hat.

Jupp grinst müde und ist sicher, dass er heute alles daran setzen wird, um seine Träume real werden zu lassen. Ein kurzes Frühstück, ein gewaltiger Knall auf dem eigentlich stillen Örtchen und ab an den Tümpel, der bald kochen wird. Schnell das Pferdchen kontrolliert, Getränke und geschätzte 25 Energieriegel auf dem Oberrohr des Rahmens in buntem Muster drapiert. Danach in den Neo quetschen und die optimale Ausgangsposition suchen. Jupp findet sie am Rande der geschätzten fünfzehn Profis, die zusammen mit rund 200 pfeilschnellen Agegroupern vor dem restlichen Feld losgelassen werden.

Noch wenige Sekunden, dann fällt der Startschuss. Jupp gibt alles, um bei diesem angeblichen Top-Favoriten – da wäre dieses Känguru von Down Under - dran zu bleiben. Nach wenigen Metern tendiert die Klarsicht gen Null und unser Hero schwimmt das Rennen seines Lebens. Auf Gefühl versteht sich, aber darin ist Jupp, wie in so fast allen eben, ein wahrer Meister. Nach etwas mehr als der Hälfte steht ein erster Landgang an. Jupp torkelt prustend aus dem Wasser, dreht sich um und sieht voller Freude…niemanden mehr.
„Was für einen riesigen Vorsprung ich heute habe…“ schießt es ihm durch den Kopf und er blickt wieder nach vorne, um sich erneut in die viel zu warme Brühe zu schmeißen. Jupp kneift die Augen zusammen.
„Verdammt, was ist das?“

Der geneigte Leser kann sich lebhaft vorstellen, dass sich vor Jupp bereits der Rest des rund 2000 Teilnehmer starken Feldes auf den Weg zur zweiten Runde gemacht hat. Jupp bleibt cool, absolviert den zweiten Teil der Schwimmstrecke und gerade, als die begleitenden Kanuten ihn aus dem Wasser ziehen wollen, weil sie schließlich auch mal nach Hause wollen, erreicht er den Ausstieg. Jetzt aber schnell zu seinem Rad und mal ordentlich den Asphalt glühen lassen.
Unser Eiermän hat selbstverständlich keinerlei Probleme mit der Orientierung. Schließlich ist sein Bolide, der einzige im weiten Rund, der noch auf seinen Fahrer wartet. Also raus aus der schwarzen Pelle, Aerohelm auf die Birne, das Rad am Sattel gepackt und Richtung Wechselbalken gesprintet.

Jupp wundert sich, warum das Rad in seiner Hand so leicht ist. Natürlich kann man 6,9337 kg nicht als schwer bezeichnen, aber so leicht? Widerwillig senkt Jupp leicht seinen Kopf und riskiert einen ersten aerodynamischen Konflikt, weil die Spitze seines Helmes nun knallhart im Wind steht. Als wäre er an die Wand gelaufen, bleibt Jupp stehen. Wasserfallartiges Rauschen dröhnt in seinem Kopf und blendet jegliches Geräusch der Umgebung aus. Unser Hero hat seinen blendend weißen Sattel in der Hand, sonst nichts. Langsam dreht Jupp sich um. Sein Bolide steht immer noch an seinem Platz und scheint ihn traurig anzuflehen:
„Na los, auf was wartest du denn. Nimm mich endlich und reite mich wie der Wind so Geschwind“

Der einzige Gedanke, der sich schnell wie der Wind in seinem Kopf breit macht, ist, dass die Besteigung des Olymps ein weiteres Jahr warten muss. Allerdings wäre dann sein alter Kontrahent und Nachbar aus Köln vor ihm dort…wenn er das Ziel erreicht. Die Gefahr, dass er aber mit einer noch so lausigen Zeit durchkommt, ist einfach zu groß.

Jupp braucht eine Alternative…Kanada im August ist doch auch ganz schön…

 

Jupp der Eirenmän

 

 

 

 

 

 

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