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Jupp der Eirenmän - Hero von nebenan

 

Urlaubsreif!!!
August 2009 - by Oliver Keck

Jupp der EirenmänSchluss, aus und vorbei! Jupp mag nimmer. Er hat endgültig die Schnauze voll und braucht dringend eine Auszeit…
Was war geschehen? Eigentlich nichts Schwerwiegendes. Wie hätte es nach seinem persönlichen Waterloo in der Bembel-Metropole auch schlimmer kommen können. Jupp klingeln noch heute von den Spottgesängen die Ohren, die sein Ex-Nachbar sicher los gelassen hat. Dank der friedlichen und beruhigenden Wirkung seiner beiden bepelzten Mädels zu Hause ist er in sich gekehrt, hat sich gegen das Reinhämmern von Speedballs entschieden – der findige Super-Hero entdeckt die Rezeptur solcher Muntermacher natürlich leicht im weltweiten Netz – und den Pfad der Tugend nicht verlassen. Im Gegenteil…tief aus seiner Hühnerbrust aufstrebende „OOOOMMMMS“ haben ihn noch weiter entspannt und über sein bisheriges Mehrkampfleben auf der Überholspur nachdenken lassen.

Dabei ist ihm bewusst geworden, dass er ja eigentlich alles erreicht hat in seiner Sportlerlaufbahn. Gut, eine Olympische Medaille und ein Hawaii-Sieg fehlen ihm noch. Aber um erstgenannte erringen zu können, hätte diese schöne Sportart eben schon früher im Zeichen der alles überstrahlenden fünf Ringe aufgenommen werden müssen. Und wie sähe das jetzt aus, wenn er an den Start gehen und die ganzen Jungspunde zersägen würde??? Eben, nicht gut. Und da er schon immer wenig Wert auf Streitereien mit Funktionären und Verbandsoberen gelegt hat, lässt er es auch gar nicht darauf ankommen.

Bleibt also noch der fehlende Hawaii-Sieg. Nun, als King-Dingeling oder Gott der Ausdauerfreaks hat er diesen Traum natürlich noch nicht aufgegeben, sondern nur ein paar Wochen hinten angestellt. Ein wenig Energie tanken und schon kann es wieder los gehen. Daher hat der gute Jupp, bevor er die in seinen Augen unnötige Reise zur Quali nach Kanada Ende August antritt, zuvor bei seiner wohltätigen Firma mit den vier großen Buchstaben ein paar Tage Urlaub eingereicht. Der Zeitpunkt ist günstig. Unlängst hat er den hier herumturnenden Affen auf der Kurzdistanz bei dem lokalen Flüsse-Cup gezeigt, wo der Hammer des rheinländischen Donnergottes hängt. Auch dieser junge Überflieger aus dem Schwabenland, dieser, na, wie war doch gleich sein Name??? Ja, dieser Greinle hatte keine Chance gegen ihn. Nachdem dieser ihn auf Jupps erster Radrunde überrundet hatte, hat sich unser Hero aber auch so was von an seinem Hinterrad festgebissen. Da blieb kein Auge trocken. Im Ziel war der gute Greinle dann schweißgebadet, kein Wunder, wenn einem der Wahrhaftige im Nacken sitzt.

Aufgrund dieser friedlich stimmenden Erfahrung und der Eingangs träge in der heißen Sommersonne dösenden Mitbewohner, hat auch Jupp beschlossen, es mal für ein paar Tage ruhiger angehen zu lassen. Trainiert hat er schließlich genug.
„Besser als besser geht beim besten Willen nicht“, denkt unser Hero und grinst überheblich. Er läuft im Flur an seinem Spiegel vorbei und bleibt wie erstarrt stehen.
„Was ist denn das, verdammt?“ schießt es Jupp durch den Kopf. Akribisch prüft er Zentimeter für Zentimeter des Bildes, das ihm da gegenübersteht. Jupp hat das Gefühl, dass ein Gespenst ihn anschaut.
„Mein Gott, wie sehe ich denn aus? Ich bin ja total abgemagert. Mich kann man ja fast unter der geschlossenen Tür durchschieben. Zum Glück sieht mich meine Mutter so nicht. Ich muss sofort das Training einstellen und den Urlaub vorziehen. Und….auf jeden Fall meine Biervorräte auffüllen.“

Im Hintergrund hält sich eine seiner Katzen auf und schaut ihn verständnisvoll an. Wenn Homo sapiens die Gedanken dieses Wesens verstehen könnte, würde ihm offenbar werden, dass sie an einen längst verstorbenen Mitbewohner beim Anblick vom Spiegelbild ihres Herrchens erinnert wird. Der hat auch immer ein total schmales und eingefallenes Gesicht gemacht und einen Stockwerk tiefer hing eine riesige Wampe. Jupp nimmt seine Katze war, dreht sich zu ihr um und will sie hochnehmen, was sie zu einer spontanen Flucht veranlasst.
„Da sieht man es mal. Nicht mal meine Pepples erkennt mich mehr.“ Jupp nimmt die Autoschlüssel, schnappt den leeren Bierkasten und fährt schnurstracks zum Getränkemarkt seines Vertrauens, der seine Lieblings-Weißbiersorte quasi auf Kommission führt.
Nachdem er dort wieder wegfährt, liegt sein Kombi verdächtig tief auf der Straße. Genauer gesagt, kurz vor einem Achsenbruch. Aber das schockt den guten Jupp nicht. Mit der Fuhre flugs nach Hause, den Kühlschrank mit dem regenerationsfördernden Gerstensaft aufgefüllt und mit der letzten noch vorhandenen Flasche auf der Terrasse auf der Liege drapiert, die verdächtig durchhängt.

„Das Leben kann so schön sein“, denkt Jupp und spürt die Sonnenstrahlen auf seiner Haut kitzeln. „Zeit für Sport ist morgen auch noch, oder übermorgen…“
Jupp öffnet die Flasche, füllt gekonnt das bereitstehende Glas und prostet seinen Mädels zu. „Oder auch erst in einer Woche, jetzt ist erst mal Urlaub angesagt.“

 

Jupp der Eirenmän

 

 

 

 

 

 

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