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Jupp der Eirenmän - Hero von nebenan

 

He’s is ready to win…
September 2009 - by Oliver Keck

Jupp der EirenmänLaut…viel zu lauert trällert eine leicht blechern klingende Stimme neben Jupp’s Ohr los, was eine gigantische Reaktion in dem Gebilde auslöst, das er gestern noch als seinen Kopf bezeichnet hat. Gleichzeitig explodieren Blitze vor seinen schlagartig weitaufgerissenen Augen, irgendwelche hinterhältigen Zwerge scheinen mit massiven Vorschlaghämmern sein Trommelfell zu bearbeiten und sein abrupt aufgerichteter Astralkörper gibt ihm das sofortige Feedback, sich augenblicklich wieder flach im Bett auszustrecken, falls er nicht seinen gesamten Mageninhalt loswerden will. Ein gequältes Stöhnen dringt über Jupps Lippen.

„Wo…wo bin ich?“ fragt sich Jupp leise und versucht widerstrebend den ekelerregenden Geschmack in seinem Mund herunterzuwürgen. „Ich vermute mal, mitten in der Hölle.“ Gibt er sich selbst eine Antwort. Jupp registriert wieder das nervige Quäken an seinem rechten Ohr und öffnet erneut…aber um hunderttausend Prozent vorsichtiger…ein Auge. Ein Radiowecker?!? Jupp öffnet nun auch das linke Auge und starrt den elektronischen Quälgeist ratlos an. „Seit wann habe ich denn einen Radiowecker am Bett stehen? Und überhaupt, das ist nicht mein Bett…“ Jupp kämpft die aufkommende Panik nieder und versucht, sein Hirn weiter in Schwung zu versetzen. Was ihm sichtlich Mühe bereitet. So langsam fällt es ihm wieder ein.

Langer Flug…Hotel…Absacker…Blondine. Und warum ist er in einem Hotel…an welchem Ort nochmals? „Ach ja, in Kanada“
Kanada? Kanada? Da war doch was? Schlagartig fällt Jupp alles wieder ein und er saust erneut in die Höhe. Dieses Mal bekämpft er den hinterhältigen Schwindel, der nur auf die Chance einer neuerlichen Attacke gewartet hat, erfolgreich…einem König der Athleten gebührend…nieder.
Ironman…Ticket fürs Grande Finale…das war’s doch. Jupp greift sich an den Schädel und versucht den Brummkreisel erfolglos festzuhalten.
„Verdammte Scheiße! Was ist gestern bloß passiert?“ grübelt unser schwer in den Seilen hängender Hero. Langsam lichten sich die Nebelschleier. Er ging in die Bar und wollte sich einen Absacker gönnen, damit er das Jetlag überlistet, zeitig und gut schläft und heute mit einer letzten Einheit seine Fitness nachweist. Aber dazu kam er nicht wirklich. Aus einem Absacker ist mindestens ein Dutzend geworden, die er sich zusammen mit dieser blonden Schönheit hinter die Binde gegossen hat. Beim Gedanken an das Rasseweib zuckt Jupp erneut zusammen. Ein dümmliches Grinsen macht sich langsam auf seinen Zügen breit.
„Na dann, haken wir die Einheit eben ab, gehen mal gediegen Frühstücken…so eine Art Carbo-Vor-Loading und schauen mal, ob wir den blonden Engel nochmals finden.“

Fünf Minuten später betritt ein deutlich besser gelaunter Jupp die Hotellobby und macht sich auf den Weg in den Speisesaal. Irgendwie scheinen die Nachwirkungen des Saufgelages seine Wahrnehmungsfähigkeiten anders als erwartet sogar geschärft zu haben und Jupp fällt auf, dass die beiden Jungs hinter dem Empfangstresen tuschelnd auf ihn zeigen. Man kann unserem gottgleichen Helden ja vorwerfen, was man will, aber nicht, dass er eine Konfrontation scheut. Also hin zu den Jungs und auf mehr oder weniger verständlichem Englisch gefragt, was denn so lustig sei. Ob sie noch nie die Nachfahren echter Germanen erlebt hätten. Die Antwort war so schockierend wie überraschend zugleich, so dass Jupp auf jegliche weitere Diskussionen verzichtet und sich wieder leicht schwankend Richtung Frühstücksraum aufmacht. In den wenigen Schritten dahin beschließt er, sich nicht vom guten Glauben abbringen zu lassen, was eigentlich die logische Konsequenz nach der Aussage dieses Typen dort in der Halle gewesen wäre: Blondie war ein Kerl und er war so ziemlich der Einzige im Hotel, der dies nicht bemerkt hat.

Also Haltung bewahren. Jupp betritt den Frühstückraum und schaut sich um. Keiner schenkt ihm große Aufmerksamkeit. Kein hämisches Grinsen oder spöttisches Gelächter. Jupp entspannt sich langsam und sorgt dafür, dass er den morgigen Höhepunkt seiner schon beachtlichen sportlichen Laufbahn nicht mit Unterernährung beginnen muss. Und den Rest des Tages bringt der Gute auch unfallfrei über die Bühne.
Einchecken, die Örtlichkeiten des Wettkampfortes inspizieren und ein wenig die Stadt erkunden. Gegen Abend dann erneutes Carboloading, damit auch ja nichts schief geht. Das leicht spannende Gefühl an seinem Oberhemd ignoriert Jupp dann geflissentlich. Er verkneift sich aus sämtlich Extra-Touren und liegt früh, nüchtern und alleine im Bett. Der große Tag kann kommen, Jupp fühlt sich unbezwingbar.

Geraume Zeit bevor ihn die quäkende Stimme erneut aus seinen Träumen reißen kann, ist Jupp wach und spritzt aus dem Bett. Schnell die Jalousien nach oben gerissen und siehe da, der frühmorgendliche Himmel lässt kein Wölkchen am Himmel erkennen. Kaiserwetter für seinen königlichen Auftritt! Schnell eine Hand voll Wasser ins Gesicht geworfen und erneut seinen Lieblingsraum des Hotels, den Speisesaal, aufgesucht. Nur nicht ausgehungert über die Strecke quälen. Zwei Kaffee und drei Brötchen später stürmt unser Hero nach oben in sein Zimmer und sucht die alles entscheidende Örtlichkeit auf. Nachdem auch dieses Geschäft mit Bravour erledigt ist, kann dem Unternehmen Hawaii-Ticket wirklich rein gar nichts mehr entgegenstehen.

Ein Shuttle-Bus bringt die Teilnehmer aus ihren Hotels zum Schwimmstart. Eigentlich eine einerseits relaxte Sache, andererseits stressig, weil man sich immer in den Fahrzeugen drängen muss wie eine Ölsardine in der Büchse. Jupp fällt gar nicht auf, dass zahlreiche Athleten zögern als er einsteigt und in Kauf nehmen, noch ein paar Minuten zu warten, als sich seinen endlosen Lobeshymnen auf seine strammen Waden auszusetzen. Nur ein paar Japaner sitzen letztlich mit ihm im Bus, die sein Geblubber zum Einen nicht verstehen und zum Anderen ganz ihrer fernöstlichen Tradition geschuldet, es einfach mit stoischer Ruhe unbeeindruckt über sich ergehen lassen. Fokussierung nennt man so etwas wohl, was Jupp sehr zu schätzen weiß. Nahezu väterlich-fürsorglich legt er einem der Söhne Nippons den Arm um die Schultern, während er ihm verbal das Fürchten zu lehren versucht. Erst als der Bus am See hält und unser Eiermän als Erster…welch ein Omen für den bevorstehenden Tag…aus selbigen stürmt, wirft ihm der junge Japaner einen Blick hinterher, der jedem Samurai zur Ehre gereicht hätte. Ein Samurai, der zum tödlichen Hieb ausholt, versteht sich!!!

Jupp checkt die Lage und erkennt sofort, dass er noch ausreichend Zeit bis zum Start hat. Er macht sich also auf die Socken und besucht seinen Hyper-Dyper-Carbon-Boliden, den er sorgsam in einer Dackelgarage für die Nacht verbracht hat. Ein wenig nervös war er gestern nach dem Einchecken ja schon. Es kommt ja nicht so oft vor, dass sein Kleiner von ihm getrennt wird. Aber Gott sei Dank ist alles gut gegangen. Ausreichend Luft in die Reifen gebügelt…was schreiben die…max. 12 bar??? Viel zu wenig…15 bar sollten es schon sein, sorgt ja bekanntlich für weniger Rollwiderstand. Nachdem unser Hero tatsächlich den optimalen Reifendruck erreicht hat, wird ihm wieder ein wenig flau im Magen und seine Arme fühlen sich an, als hätte er die ganze Nacht Holz gehackt.
„Uff, schnell mal ein Monster-Bar gegen den Energieverlust und 0,5 cl Gigant-Concentrate-Drink hinterher“, denkt Jupp und fühlt sich danach gleich viel besser.

So, jetzt noch die letzten Vorbereitungen treffen. Ungefähr zwanzig der leckeren, süßen Riegel aufs Oberrohr geklebt, das sollte reichen. Dass man die Dinger eigentlich wieder mit einer Spachtel abkratzen muss, ignoriert unser Superman. Mit den Getränken geht er dann doch ein wenig sparsamer um, denn erstens gibt es ja genug von derselben Plörre, die er im Training trinkt und zweitens ist Essen immer mit Vorrang zu betrachten. Die Laufsachen nochmals gecheckt und dann ins schwarze Ganzkörperkondom gezwängt, das wiederum mit seiner gewohnten Bockigkeit aufwartet, als es darum geht, den Reißverschluss zu schließen. Aber dank der gnädigen Mithilfe von fünf weiteren Athleten gelingt auch dieses Unterfangen.

Jupp tritt ans Ufer des Sees und seufzt erleichtert. Noch wenige Minuten, dann kann er dieser in Köln sitzenden Made von einem Ex-Nachbarn zeigen, aus welchem Material der wahre Mitfünfziger gestrickt ist

…to be continued…

 

Jupp der Eirenmän

 

 

 

 

 

 

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