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Jupp der Eirenmän - Hero von nebenan

 

Zuviel Paradies ist schädlich…
Dezember 2009 - by Oliver Keck

Jupp der EirenmänJupp hat es geschafft. Er hat sich vor wenigen Wochen zum König der Athleten gekrönt, ist quasi in den Olymp emporgestiegen und hat Gottvater Zeus persönlich die Hand geschüttelt. Bildlich gesprochen, na ja, vielleicht hat er sich auch mal wieder zu sicher gefühlt, denn die Rache dieser blasphemischen Gedanken folgte auf dem Fuße und zwang ihn für satte vier Tage, gefühlt waren es mindestens vierzig, und die dazu gehörenden Nächte auf das stille Örtchen, das selbst Könige wie er alleine aufsuchten.

„Natürlich völliger Käse“, wischt unser Hero diese deprimierenden Gedanken rasch auf die Seite. Er hat beim Eierman auf der geheiligten Insel einfach zu viel von diesem süßen Bappkram in sich hinein gestopft und da hat sein Magen rebelliert. Aber sonst erging es ihm danach Bestens. Er hat seinen Entschluss, sich auf dem heiligen Boden dauerhaft niederzulassen, kein bisschen bereut.

Oder doch? Nach drei Wochen wurde ihm schon ein wenig langweilig…so ganz ohne Schwimmen, Radeln und Laufen. Nicht, dass unser Eiermän sportlich eine ruhige Kugel geschoben hätte. Im Gegenteil, er hat den Locals hier mal gezeigt, wie es ein Rheinländer beim Surfen krachen lassen kann. Nach Kauf und Schrottung des dritten Boards und dem Gefühl, den Pazifik leer gesoffen zu haben, hat sich Jupp dezent, aber seine Umwelt immer noch Wissen lassend, dass er als Eiermän über den irdischen Dingen, wie so einem „Pille-Palle-Sport“ wie Wellenreiten, steht und den Rest seines Lebens sich im Ruhm sonnen kann. Sportlich gibt es in diesem Leben einfach keine Herausforderung mehr.

Nach vier Wochen schreckt Jupp ein Anruf aus good old Germany aus seinen rosaroten Strandimpressionen. Seine Hausbank macht ihm höflich aber mehr als deutlich klar, dass ihre Manager auf ihre Boni verzichten müssten und sie sich kaum noch Tempo-Taschentücher leisten könnten. Und schon gar nicht könnten sie sich die Vergabe eines Kredits an einen Traumtänzer leisten, der seit Wochen keine Einnahmen mehr auf seinem Konto zu verzeichnen hat. Bei stetig steigenden Aussagen. Sie empfehlen ihm sozusagen als kostenlose Beratung an jahrelangen, guten Kunden, unmittelbar seinen Arsch hierher zu bewegen und wieder zu arbeiten.

Unserem Hero schwillt gewaltig der Kamm, als er diesem Yuppie am anderen Ende der Welt klar macht, dass man so nicht mit einer Gottheit redet. Er beruhigt sich aber schnell wieder, als er ein weiteres, fieses Ziehen im Magen verspürt. „Nicht schon wieder“, denkt Jupp, und bewegt sich Richtung Toilette. Aber nichts Schlimmes passiert. Außer…ja, was ist denn das? Draußen vor seiner Hütte scheint die Welt unterzugehen. Heftiger Regen und noch stärkerer Wind sorgen dafür, dass sich das von ihm professionell nach Bauweise der Ureinwohner angebrachtes Dach verabschiedet. Innerhalb von Sekunden ist Jupp bis auf die Haut durchnässt.
„Scheiße, vielleicht haben die ja doch alle Recht.“ Er stellt sich unter dem dichten Blätterdach einiger Palmen unter und wählt eine Nummer aus seiner alten Heimat.

„Ja, hallo? Chef??? Ja, hallo, ich bin’s! Wer ich? Na, der Jupp, natürlich. Sie werden mich doch nicht vergessen haben, oder? Nee, natürlich nicht. Dachte ich mir doch gleich. Wie es mir geht? Sehr, gut. Danke und Ihnen? Auch gut. Das ist schön. Und dem Vorzimmerdr…? Äh, was ich will? Nun, ja, also, geben Sie mir meinen alten Job wieder? Wie, Sie haben mich nicht verstanden? Ich sagte: geben Sie mir bitte meinen alten Job wieder. Was? Tatsächlich???? Na das klingt ja super. Eigenes Büro weiterhin, aber 15% weniger Gehalt. Hm, das klingt nur halb so schön. Aber was soll’s. Scheiß drauf. Ich bin Montag früh wieder in der Firma. Bis denn.“

Jupp ruft noch seinen alten Vermieter an und hat erneut mehr Glück als Verstand. Er kann seine Bude wieder haben. Unser Hero pfeift vergnügt vor sich hin, packt seinen wenigen Habseligkeiten zusammen, huldigt seinem Super-Duper-Carbon-Hightech-Blitzboliden“ und organisiert sich ein Flugticket für den nächsten Tag.
„Die werden zuhause aber Augen machen. Haben wohl gedacht, der olle Jupp hätte sich in den Ruhestand verabschiedet. Nee, is nicht. Zuviel Paradies ist ungesund. Nächstes Wochenende ist doch der Nikolaus-Duathlon in Frankfurt. Da werde ich gleich mal alle beim Spielen im Brabbel versenken.“

Alles verläuft reibungslos und Jupp richtet sich wieder in seiner Wohnung und seiner Arbeitsstätte ein. Seine alten Mitbewohnerinnen auf vier Pfoten hat er auch von einer Bekannten zurückbekommen und alle sind glücklich. Das Training lief vom ersten Moment an wieder perfekt. Kette rechts wenn immer möglich und weder Regen, Sturm, renitente Taxifahrer oder rote Ampeln konnten ihn stoppen. Beim Laufen vernascht Jupp einen Lauftreff nach dem anderen, wobei er sich doch insgeheim wundert, warum die Lauftreffs mittlerweile auch alle mit diesen langen, komischen Stöcken unterwegs sind.

Die Zeit vergeht wie im Fluge und ruckzuck schwebt unser Eiermän in der Bankenmetropole ein, um sich, dem Primus inter Pares, huldigen zu lassen. Der einzige Schönheitsfehler ist: keiner huldigt ihm. Zornig ohne Ende absolviert Jupp sein Warmmachprogramm und absolviert gerade ein paar Steigerungsläufe, als die Jedermänner auf die Strecke gepeitscht werden. Locker trabt Jupp neben der mit Abstand langsamsten Teilnehmerin her und ist fassungslos vor Glück.

„Boah, bin ich in Form. Wenn ich es nicht selbst sehen würde, ich würde es nicht glauben. Das ist ja der Hammer. Na wartet, ich mache euch nachher alle rund.“
Eine gute Stunde später werden die Leute auf die Strecke geschickt, die sich auch richtig mit dem Sport identifizieren können. Nicht diese Hobby-Sportler, denen man im Ziel nicht mal ansieht, dass sie sich im Gelände bewegt haben.

Der Startschuss fällt, alle stürmen los. Inklusive Jupp. Der nur nicht allzu lange. Er stolpert über seine eigenen Füße und fällt der Länge nach in eine riesige Pfütze. Binnen Sekunden ist er wieder klatschnass und hat eine Art Deja Vu…so waren doch in etwa seine letzten Stunden auf der heiligen Insel…nur wärmer.
Der Rest der Meute trampelt mehr der weniger rücksichtslos über ihn drüber oder knapp vorbei, so dass er zusätzlich noch mit ausreichend Brackwasser versorgt wird. Nach wenigen Augenblicken ist der Spuk vorbei.

Jupp hat die Schlacht verloren, aber nicht den Krieg. Triathlon ohne Schwimmen, auch Duathlon genannt, ist eben nichts für ihn. Und unser Hero wäre nicht unser Hero, wenn er nicht augenblicklich ein Ziel für 2010 formulieren würde…die Verteidigung des Titels im Pazifik…

So, allen Lesern, die Spaß und Freude an meiner Kolumne empfunden haben, wünsche ich ein friedliches Weihnachtsfest und einen guten Rutsch und … vielleicht neue Abenteuer unseres Eiermän… (Oliver Keck)

 

Jupp der Eirenmän

 

 

 

 

 

 

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