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Jupp der Eirenmän - Hero von nebenan

 

Die wilde Hatz beginnt…
Februar 2009 - by Oliver Keck

Jupp der EirenmänJupp hat definitiv die Schnauze voll. Von was??? Na, vom Winter natürlich! Aber noch viel mehr von seiner ständigen Jammerei. Als er gestern Abend nach einer weiteren hyperkalten Laufeinheit bei gefühlten 585 Grad unter Null in seinem Wohlfühltempo von 7:36 min pro Kilometer auf seiner 3.4 km langen Runde erschöpft auf der Couch lag, gesellte sich seine Katze zu ihm. Mutig erklomm sie die mittlerweile beachtliche Schwellung unter Jupps Brustkasten und ließ sich nach der Anstrengung genüsslich den Rücken kraulen.

Jupp philosophierte Mitleid heischend vor sich hin, über die Kälte, seine noch fehlende Frühform und die Ungerechtigkeit auf dieser Welt, als sich seine Katze demonstrativ umdrehte, um ihm den Allerwertesten ins Gesicht zu strecken. Jupp schupste sie von sich herunter und richtete sich auf. Irgendwie hatte sie ja Recht – genug gejammert. Jupp schlug sich auf seiner Superman-Wampe: ab jetzt gilt wieder die Devise: wir machen aus Pudding, Muskeln!!!

Jupp schaut online, welchen Herausforderungen man sich in naher Zukunft denn stellen könne. Fehlanzeige. Nur so ein komisches Schwimmen über die lächerlich kurze Distanz von 1.000 Metern. Und was sollte unser Hero für den Rest des Tages machen? Eine berechtigte Frage, die es zu entscheiden galt, wenn der Tag gekommen ist.

Eine Woche später ist es denn auch schon soweit. Logisch, dass seit Wochen endlich mal wieder die Sonne scheint und Jupp sich zum Schwimmwettkampf in einem stickigen Hallenbad angemeldet hat. Allerdings war es ganz in der Nähe seiner Wohnung gelegen, so dass er direkt nach seiner 32 km Radrunde mit 23,4 Hm zu dem Wettkampf aufbrechen konnte. Nach gefühlten 74 min kam Jupp wieder mit seinem Carbon-Boliden zu Hause an, den er zur Feier des Tages mal wieder ausgeführt hatte.

Und damit nicht genug. Sofort schürt er sich die Laufschuhe, schnappt sich den früh morgens schon gerichteten Rucksack, der neben High-Tec-Schwimmanzug und Brille auch diverse Energieriegel und –drinks enthält und nimmt die knapp 3 km lange Strecke unter die Sohlen. Völlig außer Atem erreicht Jupp das Schwimmbad. In welchem Lauf ist er…wie, was…im nächsten schon??? Was soll das? Er, der unbestrittenen Star der Szene muss so früh ran??? „Da muss ich ja ewig bis zur Siegerehrung warten. Was für ein Scheiß…“. Egal, Zeit sich einen extrem kalorienhaltigen Recovery-Riegel reinzuzimmern bleibt noch. Ein Schluck hoch dosierte Iso-Plörre, schon kann es los gehen.

Jupp verdrängt die negativen Gedanken viel leichter, wenn er etwas im Magen hat. Er fühlte sich ja schon richtig flau. Jetzt geht es aber los. Im wahrsten Sinne des Wortes. Die Zeit drängt und er schafft es gerade noch, in seine zweite Fischhaut zu schlüpfen, als er auch schon aufgerufen wird. Hastig bittet er den Zeitnehmer, den Reißverschluss auf dem Rücken zu schließen, was dieser zunächst auch bereitwillig tun will. Nach mehreren vergeblichen Versuchen, bittet er mit hochrotem Kopf seinen Kollegen, der ihn spöttisch angrinst.

Jupp dreht verständnislos den Kopf nach hinten. „Was ist los, Männer. Wenn ihr euch gleich genauso beim Uhrenablesen anstellt, kann das ja nichts werden.“
„Hey Jupp, halt lieber mal die Luft an und ziehe um Gottes Willen Deinen Ranzen ein.“

„Meinen was bitte??? Hast Du sie noch alle? Das spricht wohl der blanke Neid aus dir…“ Der Rest der nun einsetzenden Schimpfkanonade geht in den Klängen der Musik unter, die nun aus den Lautsprechern schallt und von einer quäkenden Stimme unterbrochen wird: „Aufgrund einer nicht eingeplanten Verzögerung müssen wir eine Pause von fünf Minuten anberaumen und spielen bis dahin noch ein paar Takte Musik. Vielleicht geht es ja aber auch ein wenig schneller, wenn der gute Mann mal endlich seinen Schwimmanzug geschlossen bekommt!“

In seiner Aufregung hat Jupp nichts von der Durchsage mitbekommen. Schließlich gelingt es den beiden Zeitnehmern mit vereinten Kräften, den Reisverschluss an Jupps Rücken zu schließen und der Wettkampf kann endlich fortgesetzt werden. Jupp gleitet elegant wie ein Albatross beim Landeanflug auf dem Festland ins Becken, was seine Mitschwimmerin auf der Bahn veranlasst, mühevoll dafür Sorge zu tragen, nicht allzu viel Wasser zu schlucken.

Das Startkommando fällt und Jupp stößt sich kräftig vom Beckenrand ab. Mit wuchtigen Schlägen treibt er seinen Astralkörper durchs Bassin voran. Nach den ersten beiden Wenden blickt er kurz nach rechts und links und sieht niemanden mehr. Zufrieden, bereits jetzt schon in Führung zu liegen, zieht Jupp seine Bahnen. Nach geschätzten 12:03 min schlägt er nach den vierzig Bahnen an.

Der eh schon genervte Zeitnehmer schaut noch genervter zu ihm herab. „Sag mal Jupp. Du lernst es wohl nie, oder? Kannst du jetzt nicht einmal mehr richtig lesen. Wir haben in der Ausschreibung geschrieben, dass man seine realistische Schwimmzeit bitte angeben möge. Und was machst du?“
„Was willst du denn? Habe ich doch gemacht. Kann doch auch nichts dafür, dass ich schon so gut in Form bin.“
Fassungslos schaut ihm der Helfer zu, wie Jupp aus dem Becken kraxelt. „Gut in Form??? Dann möchte ich nicht wissen, was du schwimmst, wenn du außer Form bist. Du hast eine satte 27:38 ins Becken gezaubert. Deine Meldezeit gibst du knapp unter 15 min an. Geht’s noch?“ Plötzlich erfasst ein Zittern seinen Körper und er fängt schallend an zu lachen. Er kann sich gar nicht mehr beruhigen.

Mit hochrotem Kopf eilt Jupp in die Umkleide und macht sich vom Acker. Niemandem ist bekannt, ob die Röte von der Anstrengung herrührt (wobei – welche Anstrengung???) oder doch durch ein gehöriges Maß an Schamgefühl ausgelöst. Wobei man sich auch hier die Frage stellen muss, ob Jupp dieses Gefühl überhaupt kennt.
Eben – nicht Scham, sondern Wut führen zu der auffallenden Änderung von Jupps Gesichtsfarbe.
„Euch werde ich es zeigen. Das ist die beste Motivation für mich. Beim Triathlon im Sommer, an fast gleicher Stelle, den ich zur Vorbereitung auf meine Ansturm auf Europas Krone melden will, werdet ihr mich um Vergebung bitten.“

Wütend eilt Jupp davon. Und siehe da, den Rückweg zu seiner Wohnung schafft er beinahe doppelt so schnell. Jupp ist zufrieden. Alles in allem doch ein erfolgreicher Tag. Er ist auf einem guten Weg.

 

Jupp der Eirenmän

 

 

 

 

 

 

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