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Jupp der Eirenmän - Hero von nebenan

 

Frühlingserwachen
März 2009 - by Oliver Keck

Jupp der Eirenmän„Mensch Jupp, du kannst doch nicht immer nur sinnlos durch die Gegend hetzen. Du bist doch auch nicht mehr der Jüngste. Genieß doch mal das Leben. Jetzt wo die Tage wieder länger und die Röcke der Frauen kürzer werden, hä, hä, hä.“

Jupp ignoriert das dämliche Lachen seines Kollegen Klaus komplett und überlegt, ob er diese gesamte traurige Figur einfach übersehen sollte. Ein Weichei wie es im Buche steht, hat noch nie in seinem Leben einen schnellen Schritt getan und hält sich mit seinem überdimensionalen One-Pack als der Prototyp des männlichen Geschlechts, denen sich die Frauen überhaupt nicht entziehen können. Lachhaft. Jupp hält sich bewusst zurück, er will schließlich keine Leben zerstören. Es reicht doch im Prinzip schon, wenn er ihn hier in der Firma ständig an die Wand fahren lässt, das muss er dann doch nicht noch im Privatbereich tun.

„Hör zu Jupp, mein Kumpel und ich gehen am Donnerstagabend in einen total geilen Schuppen. Spitzen-Musik, Spitzen-Bier und ein astreines Angebot an Frauen. Und das Beste ist: die Weiber sind in unserem Alter. Keine Teenies, mit denen man nicht anfangen kann und sich höchstens strafbar machen würde.“ Klaus rammt ihn leutselig den Ellbogen in die Rippen. „Ey Jupp, du weißt doch, auf einem alten Gaul lernt man reiten, hä, hä, hä.“ Jupp hat genug von diesen Machosprüchen und holt tief Luft, um diesen Armleuchter mal so richtig verbal eine Abreibung zu verpassen. Wie er es wagen könne, den Eiermän himself, den obersten Vorsitzenden derjenigen, die sowieso und überhaupt an erster Stelle der Nahrungskette stehen, mit so einem Mist zu belästigen.

Plötzlich hält er inne. Jupp atmet erst einmal aus und bevor sein Hirn verarbeitet, was er gerade sagt, klingt seine Antwort in seinen Ohren: „Geht klar, Klaus. Kann man mal machen. Wo und wann treffen wir uns.“
Klaus schlägt ihm begeistert auf die Schultern. „Mensch, klasse, ich wusste doch, dass mit dir was anzufangen ist. Pass auf, wir treffen uns gegen 22.00 Uhr am…“
Jupp lässt das Gesülze tapfer über sich ergehen und registriert schon jetzt frustriert, dass er doch vor dem Reden sein Hirn vollständig arbeiten lassen sollte.

Wie immer kommt der Donnerstag schneller als man denkt. Nach Beendigung der täglichen Quälerei in der Firma noch schnell ins Fitness-Studio. Bei dem Mistwetter – nein, Jupp hält sein Versprechen und jammert nicht über die Tatsache, dass immer noch kein Frühling in Sichtweite ist – muss man seinen olymp-adäquaten Körper eben anders bei Laune halten. Jupp stählt nun seinen Körper, macht aus Pudding Muskeln. Der Spruch gefällt ihm, hat irgend so ein verkappter Freizeit-Schauspieler mal von sich gelassen, der ihm Vergleich zu Jupps Figur wie der Inhalt der zahlreichen Dosen gewirkt hat, die sich Popeye immer reingepfiffen hat.

Rein in die Mucki-Bude, mit gepflegten Sprüchen der aufgepumpten Konkurrenz klar gemacht, dass jetzt die Zeit gekommen ist, in der die Maschine trainiert und die Ersatzteile gefälligst die Bildfläche zu räumen haben. Hoch professionell beschließt unser Hero heute die Brust und den Bizeps aufzupumpen, denn man will die Frauenwelt später ja beeindrucken. Also 15kg auf die Hantelstange und drei Sätze mit je drei Wiederholungen Maximalkraft-Training beim Bankdrücken. So schwillt die Titte…äh, sorry, ist politisch inkorrekt, die männliche Hühnerbrust. Dann noch kurz aus der Reihe von geschätzten 200 sinnlos wartenden Kurzhanteln die passenden genommen und den Bizeps malträtiert. Hier reichen zwei Sätze, dafür aber mit insgesamt fünf Wiederholungen mit jeweils stattlichen 6kg pro Arm.

Jupp hört wildes Getuschel hinter sich und sieht, wie die aufgeblasenen Luftmatratzen in seinem Rücken die knallroten Köpfe zusammenstecken. Sind sicher schwer beeindruckt. Leider rauscht bei Jupp nach der ungewohnten Anstrengung dermaßen das Blut in den Ohren, dass er wieder einmal nur Wortfetzen aufschnappt, die sich nach „Frauen“ und „Hammer“ anhören. Na also, habe ich es wieder geschafft, die Jungs nass zu machen. Warum sollte es hier anders laufen als im realen Leben eines Eiermän.

Hätte Jupp nur einmal in seinem Leben richtig zugehört, wäre ihm Folgendes zu Ohren gekommen: „Schaut Euch mal diesen Trottel an. Der schämt sich nicht einmal, die Kurzhanteln der Frauen zu nehmen. Wie kann man nur so hammerdoof sein.“ Nun, man sollte nicht unbedingt vom Umfang des Brustkorbs auf die Intelligenz eines Menschen schließen, aber ab und an treffen auch solche Menschen mit ihren Bemerkungen ins Schwarze.
Nach dem Training erst mal einen Eiweiß-Shake rein pfeifen, denn der Körper wird logischerweise in der Regenerationsphase gestählt. Dann ab unter die Dusche, sich fein machen für den anstehenden Abend. Wider Erwarten freut sich Jupp sogar darauf. Die Uhrzeit ist schließlich so gewählt, dass das Leben eines Eiermän nicht leiden muss. Und so ab und an ein Ausbruch aus der Routine kann vielleicht sogar belebend wirken.

Jupp stolziert wie ein balzender Auerhahn durch die Räumlichkeiten des Tanztempels, nach seinem Kollegen und dessen Kumpel Ausschau haltend. Logisch, der Trottel ist natürlich noch nicht hier. Na denn, holen wir uns erst mal ein kühles Blondes, danach checken wir mal die Lage. Jupp hat die Gedanken kaum zu Ende gebracht, als sich ein weibliches Wesen vor ihm aufbaut. Keine kühle Blonde, sondern eher der Typ Frau, bei dem selbst ein ultraharter Eiermän schwach wird. Er spürt ihren Blick und dreht sich um. Nö, da steht niemand hinter ihm. Sie scheint tatsächlich ihn zu meinen.
„Hey du, bist du neu hier? Habe dich ja noch nie gesehen. Hast du Lust zu tanzen?“ Ohne auf eine Antwort von unserem total verunsicherten Helden zu warten, geht sie auf die proppenvolle Tanzfläche.

In Jupps Hirnwindungen bildet sich langsam aber sicher ein Pfropf, der sich urplötzlich mit einem gewaltigen Schlag löst. Sein Mund trocknet aus, wie ferngesteuert dackelt er der fremden Schönheit hinter her. Eiermän? Pulsuhr? Laktatmessung? Was ist denn das? Das hier ist das wahre Leben…

(to be continued…)

 

Jupp der Eirenmän

 

 

 

 

 

 

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