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Jupp der Eirenmän - Hero von nebenan

 

Schmetterlinge im Bauch
März 2009 - by Oliver Keck

Jupp der EirenmänJupp kann es immer noch nicht fassen. Da steht er mitten auf der Tanzfläche in einer ihm völlig unbekannten Disco und tanzt mit einer ihm noch völlig unbekannteren Frau…was heißt hier Frau…die fleischgewordene Gestalt eines Engels. Und weil wir gerade dabei sind, was heißt hier: Tanzen! Aber lassen wir das, der geneigte Leser kann sich die Verrenkungen des hüftsteifen Heroen vieler kilometerlanger Schlachten im Wasser, hoch zu Ross und in Laufschuhen wahrlich gut vorstellen.

Aber an all das verschwendet Jupp nicht einen einzigen Gedanken. Es hat ihn getroffen! Als hätte ein Blitz in sein Hirn eingeschlagen. Aber das ist es nicht. Viel eher hat Amors Pfeil sein Herz durchbohrt. Er kann keinen klaren Gedanken mehr fassen, hat nur noch Augen für die fremde Schönheit. Wie schnell doch wenige Augenblicke die Welt aus den Angeln heben können. In seiner ihm eigenen Art nähert er sich der sicher im Rhythmus wiegenden Schönheit. „Ey, das ist ja der Hammer, dass du mit mir tanzt. Wie heißt du eigentlich?“
Genau die Art von Kontaktaufnahme, die sich Frauen wünschen. Sie blickt ihn daraufhin auch irritiert an und schüttelt leicht den Kopf. Als er sich ihr nochmals ungeschickt nähert, stößt sie ihn lachend von sich. Jupp rafft überhaupt nichts mehr. Was soll das? Erst den König der Athleten einladen und dann postwendend wieder ausladen? Nee, nee, so nicht meine Dame. Nun ist Jupp in seiner Ehre verletzt. Zurück kehren die Gedanken an all die heroischen Schlachten, die er in den letzten Jahren geschlagen hat und die seinen Ruf als Eiermän manifestiert haben…

Entschlossen macht er wieder einen Schritt auf sie zu: „Hey, Kleines, du weißt wohl nicht, wen du da gerade vor dir hast. Ich will ja nicht zu viel sagen, aber du sprichst mit dem König der Athleten, dem zukünftigen Abräumer auf DER Insel im Pazifik schlechthin. Also mach dich mal locker und sei froh, dass du überhaupt mit mir tanzen darfst.“
Die fremde Schöne hat nach diesem Vortrag tatsächlich mit dem Tanzen aufgehört. Ihr Kiefer klappt nach unten und Jupp sieht, wie es hinter ihrer schönen Fassade anfängt zu arbeiten. Na also, denkt er siegessicher. Wäre doch gelacht gewesen, wenn ich sie nicht hätte beeindrucken können. Noch ein paar Sekunden, dann habe ich ihren Namen und ihre Telefonnummer und einen Groupie mehr.

Lautstarkes Gelächter holt Jupp unsanft aus seinen Träumen. Irritiert blickt Jupp nach vorne und sieht, wie sich sein Gegenüber krümmt. Aber nicht vor Schmerzen. Nach unendlich langer Zeit, als die umstehenden Tänzer schon aufmerksam werden, richtet sich die Schöne wieder auf uns wischt sich die Tränen aus den Augenwinkeln.
„Du hast ja wohl die absolute Vollmeise, oder? Also echt, ich muss lange zurück denken, um mich zu erinnern, jemals einen solch sinnfreien Typen wie dich kennengelernt zu haben. Aber es fällt mir beim besten Willen keiner ein. Jetzt hör mal gut zu. Weil ich heute einen echten Scheißtag hatte, wollte ich mich hier ein wenig ablenken und einfach nur zu geiler Mucke abtanzen. Als du hier reingestolpert bist, habe ich irgendwie gedacht, dass es dir auch total mies geht. Deine traurige Gestalt kann man auch mit viel Anstrengung nicht überbieten. Ich habe es also nur gut gemeint und wollte uns beiden die Möglichkeit eröffnen, einen schönen, ungezwungenen Abend miteinander zu verbringen. Aber du bist ja so beschränkt, ein Wunder, dass du an deiner eigenen Blödheit noch nicht zu Grunde gegangen bist.“

Sie macht auf dem Absatz kehrt und lässt unseren verdatterten Hero alleine auf der Tanzfläche zurück. Was war denn das jetzt? Jupp muss sich auch lange zurück erinnern, ob er schon einmal von einer Frau so in den Senkel gestellt worden ist. Aber er kann sich seine Hirnwindungen zermartern wie er möchte, ihm fällt keine Gelegenheit ein. Wie ein begossener Pudel schleicht er von der Tanzfläche Richtung Tresen. Er hat es ja gleich gewusst, als sein dämlicher Kollege zu Beginn der Woche ihn zugetextet hat. Das bringt einfach nichts mit den Frauen. Sie verstehen einfach seine Genialität nicht und können sich seiner wahren Größe nicht erschließen. Wie gut, dass er sich diesen Stress nicht geben muss. Jupp trinkt noch drei oder vier Weizen zur besseren Regeneration nach dem schweißtreibenden Tanzen, das man durchaus als Trainingseinheit eintragen kann.

Er sieht seinen Kollegen kommen, hat jetzt aber wirklich keinen Bock mehr, diesen Fuzzy zu treffen. Geschickt weicht er der ebenfalls auf den Tresen zustrebenden Truppe aus und zieht, noch immer beleidigt, von dannen. Die werden alle noch staunen, wozu ich in der Lage bin. Wartet nur ab. Der Sommer naht mit Riesenschritten und damit auch die Weiterschreibung der Erfolgsgeschichte des INCREDIBLE JUPP…

 

Jupp der Eirenmän

 

 

 

 

 

 

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