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Jupp der Eirenmän - Hero von nebenan

 

Einfach mal raus…oder Trainieren wie die Profis
April 2009 - by Oliver Keck

Jupp der EirenmänJupp trällert fröhlich vor sich hin. Den Grund für die offensichtliche Heiterkeit, mit der unser Hero seiner Umwelt wie gewohnt penetrant auf den Nerv geht, kann der geneigte Leser nicht etwa in einer neuen Bestzeit auf der 6,3 km langen Lauf-Teststrecke vermuten, sondern in dem bevorstehenden Urlaub unseres Eiermän-Bezwingers. Aber was heißt schon Urlaub…das ist doch nur etwas für Warmduscher. Jupp macht sich am kommenden Wochenende auf Richtung Italien, um seine bisher gelegten Grundlagen in den drei die Welt beherrschenden Disziplinen auszubauen und so langsam aber sicher mit einer gehörigen Portion Geschwindigkeit aufzupimpen.

Italien? I T A L I E N ? ? ?
Si, nix Malle in diesem Jahr. Hier kennt Jupp doch schon jeden Stein und auf die ewigen Duelle mit den Armleuchtern, die denken, sie könnten unseren Hero aus den Socken fahren, hat er auch keine Lust mehr. Jupps Grinsen wird immer breiter, als er am Schreibtisch des Vorzimmerdrachen seines Chefs vorbei stolziert, so dass die gar nicht anders kann, als ihn in ihrer gekonnt schnippischen Art zusammenzufalten:
„Ah, der Herr Meier…was für ein süffisantes Grinsen. Haben Sie hier denn überhaupt noch was zu Lachen? An IHRER Arbeitsleistung kann das ja wahrlich nicht liegen.“
Verdammte Zimtzicke, denkt sich Jupp, du vermiest mir nicht den Tag. „Nein, nein. Ich freue mich auf meine zwei Wochen Urlaub. Endlich raus aus dieser an sich schönen Umgebung, mal etwas anderes sehen. Und vor allem: zwei Wochen Ruhe vor Ihnen…“

Aus den Augenwinkeln nimmt Jupp wahr, wie sie nach Luft schnappt. Er macht auf dem Absatz kehrt und verlässt wieselflink das Büro, bevor die erwartete Schimpftirade ausbrechen kann. Gut so, denkt er sich, das trage ich unter Sprinttraining im extrem anaeroben Bereich ein, sozusagen sehr, sehr spezifischen Wettkampf-vorbereitung. Ah ja, Wettkämpfe bald ist es soweit. Die dunkle Jahreszeit hat ein Ende. Wie auf Kommando fühlt er einen wärmenden Sonnenstrahl durch sein dünnes, aber sehr spannendes Oberhemd auf seinen Bauch drängen und Vögel wie wild durch das geöffnete Fenster im Flur zwitschern. Endlich Frühling…fast zu schade zum wegfahren, aber was sein muss, muss sein.

Jupp will da gar kein Risiko eingehen. Die Formkurve zeigt steil nach oben. Das Gewicht geht stetig nach unten, minus 343 Gramm letzte Woche bei nur noch 17,59 Prozent Körperfettanteil. Da wäre so manch junger Hüpfer stolz. Und erst der letzte Lauftest auf seiner Hausstrecke. Sagenumwobene 28:57 min! Also ehrlich, Jupp ist weit davon entfernt, auf die Kacke zu hauen, aber so schnell war er Anfang April noch nie unterwegs. Jetzt heißt es eben noch die Radperformance auszubauen. Fest steht, dass er jetzt 25 km sehr schnell fahren kann. Die digitale Tachoanzeige seines Wirless-High-Dated-Counters bewegt sich derzeit permanent zwischen 21 und 24 km/h. Da hätte selbst der olle Ulle dicke Backen gemacht, hehehe!!!

In Italien soll vorzugsweise mit dem Boliden geklettert werden und ein paar gemütliche Strandläufe zum Abrunden des Arbeitstages. Vielleicht gibt es ja schon ein paar nette Mädels an der Küste vor Rimini, die er mit seinem Traumbody in hautenger Wurstpelle beeindrucken kann. Schwimmen wird Jupp jetzt erst einmal nicht mehr. Wenn man auf dem Olymp angelangt ist, sollte man aufhören. Jeder Versuch, die phelpsigen Fähigkeiten zu verbessern, wäre zum Scheitern verurteilt. Jupp weiß das und ist sicher, im Sommer schon nach dem Auftakt des Eiermän das begehrte Ticket für den Pazifiktrip im Sack zu haben…wer sollte ihm jemals folgen können.

Zurück in seinem Büro angekommen, prüft er zum vielleicht tausendsten Mal seinen Plan, auf dem er akribisch notiert hat, was er noch alles einkaufen und verpacken muss, um aus seinem Trainingslager das Optimum herauszuholen. Da ein leerer Sack nicht stehen kann, stehen natürlich jede Menge Leckereien ganz oben auf der Liste. Jupp hat zwar gehört, dass man in Italien ganz gut essen könnte, aber ob er der dortigen Pasta & Pizza-Connection wirklich trauen könne, steht noch in den Sternen. Warum schließlich sind die ganzen Italiener nach Deutschland gekommen, um hier eine Pizzeria aufzumachen. Doch sicher, weil es bei ihnen daheim nicht wirklich schmeckt. Und ganz wichtig ist natürlich das Frühstück…auf seine geliebte Schoko-Creme BRIMBELLA will er mit Sicherheit in den zwei Wochen nicht verzichten. Sonst komme ich vielleicht völlig abgemagert zurück. Jupp bemüht das Internet, die Suchmaschine seiner Wahl spuckt aus, dass man auch im Stiefel-Land eben jene Creme kaufen kann. Aber doch sicher nicht nach dem guten deutschen Reinheitsgebot produziert. Wer weiß, was die das so zusammenpanschen. Sieht man ja an den Ergebnissen ihrer Radprofis. Nicht mal hier können sie richtig panschen, so wie die dem Rest der Welt hinterher fahren. Nee, nee, lieber mal drei bis fünf große Gläser einpacken. Wozu hat man einen Kombi?

Jupp öffnet seinen Screensaver und bewundert wie jeden Tag das Hintergrundbild auf seinem Rechner, welches seinen neuen HighTechCarbonMonsterRacers super detailliert darstellt. Den hat er schon bis in kleinste Detail poliert, der ist bereit für das Trainingslager.
Jupp seufzt. Er ist ja schließlich nicht bescheuert. Jupp hat sein Winterrad schon hergerichtet und die Schutzbleche abgeschraubt. Die alte Alu-Schnee-Schlampe wird ihn begleiten. So fett hat er es letztlich auch nicht. Im Land der Mafiosi ein teures Rad mitnehmen, da kann er sich ja gleich auf die Stirn tätowieren: „los, los, raubt mich aus.“

Also, je länger Jupp darüber nachdenkt, desto unsicherer wird er. Hat er die richtige Entscheidung getroffen? Hätte er nicht doch Malle buchen sollen, um sich dort mit den alten Kollegen aus seinem Heimatverein von „Rot-Weiß-Radschuh Kölle“ die legendären Duelle auf den Puig Major zu liefern. Die früh morgens begannen und kurz vor Einbruch der Finsternis mit dem finalen Sprint am Gipfel des Passes endeten. Er hat ja schon viel gehört über die Italiener.

Mit einem mulmigen Gefühl fährt Jupp seinen Rechner runter. Erst einmal Feierabend machen. Die restlichen drei Tage kann ich ja mein High-Tech-Monster fahren, bevor es dann ernst wird. Jupp ignoriert das fiese Ziehen in seiner Magengegend und macht sich auf den Nachhauseweg. Tief in Gedanken versunken, reiht er sich mit seinem Geschäftsradel in die unendlichen Arbeiterströme ein, die mit einem gefühlten 35er Schlag durch die Werkstore pulsieren, um der Heimat entgegenzuströmen…Wer hätte wenige Stunden zuvor, als die selben Arbeiter träge durchs Werk zur Kantine radelten, geglaubt, dass sie zu solch sportlichen Höchstleistungen in der Lage seien.

To be continued…

 

Jupp der Eirenmän

 

 

 

 

 

 

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