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Jupp der Eirenmän - Hero von nebenan

 

The Boy is back in Town…oder hütet euch, ihr Weicheier
April 2009 - by Oliver Keck

Jupp der EirenmänJupp sitzt zufrieden grinsend in seinem Kombi – der Hersteller stammt übrigens aus Frankreich und trotz Wirtschaftskrise schämt sich unser Hero nicht, diesen mit dem Kauf seiner Automobile zu unterstützen. Obwohl er die Franzosen ja eigentlich nicht leiden kann. Eigentlich…

Aber zurück zum Thema. Der geneigte Leser sieht sicherlich den dümmlichen Gesichtsausdruck von Jupp vor seinem geistigen Auge, während er gemächlich nach seinem Trainingslager Richtung Schweiz tuckert. Zwei Wochen „Bella Italia“…der Schrecken aller Langdistanzen weltweit hat seine Entscheidung nicht bereut. Wer braucht schon Malle?
Satte 743 km hat Jupp in den nun strammen Waden. Von den ungezählten Schwimm- und Laufkilometern mal ganz zu schweigen. Zum Glück hat er nicht mitgezählt, sonst wäre aufgefallen, dass er ja eigentlich viel mehr Zeit in diversen Pizzerias und Eis-Cafes verbracht hat. Aber schließlich kann ein leerer Sack nicht stehen und man muss seinen Körper pflegen. Nur so kann man die Früchte seiner Arbeit ernten.

Selbstredend hat Jupp in den vergangen beiden Wochen geglänzt und den ein oder anderen Touri, aber auch Local Hero, deutlich gezeigt, wo der Bartl den Most holt. Letztlich musste er sich nur ein wenig einbremsen, denn die Zahl der weiblichen Tifosi nahm täglich zu und er wusste wirklich nicht mehr, wie er dem Ansturm der Sympathiebekundungen Stand halten sollte. Also beschloss er, sich auf das Nötigste zu beschränken. Training, Training und nochmals Training.

Die Königsetappe führte ihn ins Hinterland von Rimini auf einen berühmt berüchtigten Berg, dessen unaussprechlichen Namen er sich beim besten Willen nicht merken konnte. Wozu auch. Wichtig war nur, dass er an diesem Tag jeden, wirklich jeden Pedalritter, der auf den gleichen Gedanken gekommen war wie er, aus den hässlichen Kompressionssocken fuhr. Dass just zum selben Zeitpunkt das lokale Alten- und Pflegeheim seinen jährlichen Osterausflug unternahm, war unserem Master of Desaster eher nicht bekannt. Und da in Bella Italia das Zweirad einen sehr hohen Stellenwert einnimmt, wollen die alten Herrschaften natürlich ihrer Leidenschaft längst vergangener Zeiten frönen. Ob jetzt Kompressionsstrümpfe oder Stützstrümpfe…wo ist da eigentlich der Unterschied?

Jedenfalls durchpflügte Jupp gnadenlos die weißhaarige Schar auf ihren Drahteseln als wäre der Leibhaftige hinter ihm her. Selbst jetzt noch im Auto kann er sich ein süffisantes Grinsen nicht verkneifen, als seine Gedanken zu seinem Parforce-Ritt auf den Anstieg der Hors Kategorie mit 75 Höhenmetern und einer Länge von 8,7 km zurückkehrten.

Über alle Maßen motiviert hat Jupp noch am selben Abend vom Hotel aus via Internet den ersten Wettkampf gemeldet, zu dem er jetzt direkt auf dem Weg ist. Was heißt schon „Rausnehmen“ nach einem erfolgreichen Trainingslager. Das ist doch nur was für Schattenparker. Echte Männer zeigen der Konkurrenz gleich, dass sie in dieser Saison wie in der vorigen Saison eigentlich nicht antreten brauchen. Gut, würden sie es nicht tun, könnte unser Hero nicht seine Erfolge erzielen. Also macht er sich eben einen Spaß daraus, die angebliche Konkurrenz immer wieder zu zersägen.

Nach weiteren zwei Stunden dümmlich grinsender Fahrt über die Autobahnen der Käse- und der Bundesrepublik, erreicht der Gigant das Schlachtfeld in spe. Schnell das Rad in die Wechselzone gebracht, kurz eingelaufen und hinter die Startlinie gestellt. Der erste Duathlon der Saison. Jupp schaut sich um, sieht in die verbissenen Gesichter der meist jüngeren Konkurrenten.
„Warum sind die alle nur so mager? Kann doch nicht gesund sein.“ Gerade ist der Gedankengang zu Ende gebracht, als der Startschuss fällt und Jupp plötzlich nahezu alleine hinter der Startlinie verharrt. Jupp schnappt entsetzt nach Luft. „Wo wollen die denn alle so schnell hin? Aber nicht mit mir, na wartet“
Jupp sprintet los und hat gerade Anschluss zu dem vor ihm liegenden letztjährigen Deutschen Meister der über 70-jährigen gefunden, als es ihm mächtig ins Kreuz fährt. Aber ein wahrer Eiermän lässt sich durch so etwas nicht aus der Bahn werfen. Beherzt setzt Jupp zum Überholvorgang an, als der Alte zu ihm rüberschaut und meint:
„Na, gleiche Taktik wie ich?“
Jupp kann ihn nur entgeistert und schwer hechelnd anglotzen.
„Na, den ersten Kilometer verhalten anlaufen und dann so richtig aufs Tempo drücken. Auf geht’s!“

Mit flüssigem Laufstil verabschiedet sich der Senior in Richtung Mittelfeld. Jupp ist alleine im Wald. Ganz alleine. Sein Rücken signalisiert ihm, dass er eigentlich keine rechte Lust mehr hat. Jupp hält an und nimmt die Startnummer von seinem Schwimmring um die Hüfte.
„Verdammte Duathlons“, sagt er laut zu sich selbst, „das ist doch echt keine Alternative zum wahren Glanzlicht unserer Sportart. Halt doch nur was für Nichtschwimmer.“ Jupp bestätigt seine Ausflüchte mit grimmiger Miene. Er blickt dem jagenden Feld hinterher und denkt: „Freut euch nicht zu früh, ihr Luschen. Heute ist nicht aller Tag, ich komme wieder…“

Dieser Schlusssatz aus seiner Kindheit ist Jupp immer willkommen, wenn er ratlos in der Gegend herumsteht. Aber Jupp wäre nicht Jupp, wenn er nichts Positives finden könnte. „Immerhin habe ich heute eine schnelle Einheit hinter mich gebracht.“ Er holt sein Carbon-Pferdchen aus der Wechselzone und fährt zufrieden nach Hause. Sein Rücken tut auch schon fast nicht mehr weh.

 

Jupp der Eirenmän

 

 

 

 

 

 

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