english  français  español  italiano  portuguese


Jupp der Eirenmän - Hero von nebenan

 

Die Freibäder machen auf…
Mai 2009 - by Oliver Keck

Jupp der Eirenmänund es kommt wie es nach dem Gesetz der Serie kommen muss: das Wetter wird wieder schlechter und treibt unserem Eierman Jupp dicke Schweißperlen auf die Stirn. Nicht weil er findet, dass Temperaturen um die 15° C ausreichend genug seien, um den Schweiß in Strömen fließen zu lassen, sondern aus purer, nackter Angst.

Nachdem sein Ausflug zu den nichtschwimmenden Weicheiern, auch Duathleten genannt, mit einem, aus der Sicht des Betrachters, fürchterlichen Debakel geendet ist, beschließt Jupp achselzuckend zur Tagesordnung überzugehen und nach erfolgreich gelegten Rad- und Laufkilometern in seinem Trainingsparadies im Land der Spaghetti-Könige weiter an seiner Schwimmform zu feilen. Es muss ja nicht explizit erwähnt werden, dass Jupp seinen ersten Wettkampfauftritt vor Wochenfrist nicht als Debakel empfunden hat. Vielmehr konnte er wichtige Erkenntnisse der Wettkampfgestaltung erringen, die ihn die Früchte seiner Arbeit und die langen Gesichter seiner Konkurrenten noch einbringen würden.

Aber wie zum Teufel sollte er sich den letzten Schliff holen, aufbauend auf seine Mördergrundlage von 36,857 km, Stichtag: 01.01.09??? Wenn es ständig regnet und arschkalt ist? Und wäre dies alles noch nicht genug, steht man dann im Schwimmbad und darf nicht ins Becken, weil vielleicht ein klitzekleines Blitzlein sich dazu entschließen könnte, das etwas unterkühlt wirkende Becken in eine Art Friteuse zu verwandeln. Sozusagen ein Schwimmausflug ohne Wiederkehr. Nö, also wirklich, darauf hat unser Jupp nun auch keinen Bock.

Also muss die Quicki-Lösung wieder herhalten. Neo, verspiegelte Schwimmbrille und Badelatschen in den Kofferraum gepfeffert und an den nahegelegenen Baggersee gedüst. Ist ja prinzipiell eine coole Sache. Keine nervenden Badegäste, die einen pausenlos vom ersten eleganten Schwimmzug bis zum Abpellen des Ganzkörperkondoms bewundern und kostenlos ist es obendrein. In Windeseile erreicht Jupp den Parkplatz und würgt sich in seinen Neoprenanzug. Hmm, auch immer wieder dasselbe im Frühjahr. Das Ding scheint über Winter eingegangen zu sein. Uff, ein letzter Griff, Reisverschluss zu und ab dafür.

Jupp stürmt die wenigen Meter hinunter zum Ufer und denkt noch etwas von geschlossenen Augen und durch. Aber soweit kommt er nicht. Schon die Berührung seiner nackten Füße mit dem vom Regen nassen Sand, lassen ihn in einer höchst seltsamen Starre verharren. Verzweifelt wühlt unser Hero in seinen Erinnerungen, kann aber nichts finden. Also, das war doch im letzten Jahr noch anders. Irgendwie wärmer und zwar ein ganz, ganz großes Stück wärmer. Also nein, das kann er sich wirklich nicht geben, Neo hin, Neo her. Es geht immerhin um die Gesundheit und das Hawaii-Ticket und somit der WM-Titel rückt ja schon in greifbare Nähe.

Verschämt dreht sich Jupp wie eine alterschwache Primadonna auf einem Fuß um die eigene Achse um zu erspähen, ob jemand seinen schwachen Versuch beobachtet hat. Und tatsächlich: sitzen da wenige Meter hinter ihm auf einer Parkbank zwei Jugendliche, die ihn dreist angrinsen.

„Na, Opa, hast dir wohl ein wenig zuviel zugemutet. Musst in deinem Alter aber auch aufpassen, sonst passiert dir vielleicht noch was.“ Er stimmt in das schallende Gelächter seines Kumpels ein. Jupps Gesicht nimmt ungefähr die gleiche rötliche Färbung wie seine Badekappe an. „Ihr Jungspunde habt ja überhaupt keine Ahnung, mit wem ihr euch da anlegt. Mir ist einfach durch meinen heftigen Spurt vom Auto hierher meine Schwimmbrille verrutscht. Die muss ich einfach richten, that’s all.“

Sprachs, stapfte zum Wasser und stürzte sich in die Fluten. Die nächsten Minuten wurden unwiederbringlich aus Jupps Gedächtnis verbannt, gerade so, als würde man eine Computerfestplatte mehrfach mit einem starken Magnetfeld bearbeiten. Riss auf der Festplatte, absolut nichts mehr vorzufinden. Als es wieder ein wenig klarer um ihn wird, erinnert sich unser Hero daran, dass er ein Lungenatmer ist und zieht heftig prustend die erlösende Luft in seine schon schmerzenden Lungen. Sein ganzer Körper brennt. Jupp weiß allerdings nicht, ob vor Kälte oder wegen des fehlenden Sauerstoffs. Mühsam hält er die Bemühungen aufrecht, fisch- und gazellenartig sich durchs klare, kalte Nass fort zu bewegen.

Nach wenigen Minuten erkennt er die Sinnlosigkeit des Unterfangens. Zum ersten Mal gibt sich Jupp geschlagen. Nun ja, was heißt schon geschlagen??? Altersweisheit gegen jugendliche Verbohrtheit. Sollten sie doch Lachen, sie hatten ja definitiv keine Ahnung. Noch immer prustend erreicht Jupp das rettende Ufer, welches er aufgrund seiner verspiegelten, dunkelgetönten Brillengläser und seinen tauben Fingern kaum realisiert. Zitternd schiebt er die Gläser nach oben und muss feststellen, dass die Parkbank leer ist. Keine Menschenseele mehr weit und breit. Fluchend wankt Jupp Richtung seines Autos und tröstet sich mit dem Gedanken, dass das Schwimmen auf seinem Weg zum WM-Titel nur einen Bruchteil ausmacht. Also keinerlei Gefahren mit sich bringen wird. Und…auf Hawaii ist es sicherlich wärmer.

 

Jupp der Eirenmän

 

 

 

 

 

 

© finisher concepts  | Top