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Jupp der Eirenmän - Hero von nebenan

 

Urlaubshindernisse
September 2010 - by Oliver Keck

Es hat lange gedauert, bis unser Eiermän seine Schmach aus dem Land des Äppelwois überwunden hat. Sein Pit-Stopp im Krankenhaus war so nicht geplant und besonders sein Hyper-Dyper-Carbon-HiTech-Rädchen leidet immer noch an den Folgen. Und dies wird sich auch in den kommenden Wochen nicht ändern. Wer hat nur behauptet, dass Made in Taiwan und Globalisierung bedeuten, dass alle wichtigen Ersatzteile rund um die Uhr verfügbar sind? Dem Spacko würde er gerne mal die Meinung geigen.

Aber alles Jammern nützt ja nichts. Aber so ganz ohne Pferdchen ist es ja auch Scheiße. Sicher, seine beiden vierbeinigen Mädels im trauten Heim sind mehr als nur ein Ersatz. Aber den geliebten Fahrtwind, wenn Jupp mit gefühlter Warp-IV-Geschwindigkeit durch das Bundesgebiet pflügt, können sie eben auch nicht ersetzen. Und immer nur Laufen und Schwimmen??? Dazu muss man nicht in der Stadt bleiben, die am Tropf der Firma mit den vier großen Buchstaben hängt. Unser Hero übrigens auch. Er selbst tut die monatlichen Ratenzahlungen zwar als Almosen ab, aber immerhin ermöglichen sie Jupp, folgenden, nahezu genialsten Plan der Menschheit anzugehen und noch besser, ihn in die Tat umzusetzen: Jupp fährt in Urlaub…

Was für ein Hammer!!! Genauer gesagt, er fliegt in Urlaub. Aber als guter deutscher Staatsbürger natürlich in ein Revier, in dem er sich Bestens auskennt. Wo man unter guten Freunden ist. Sich zu Hause fühlen kann. Die Sprache der Einheimischen bestens verstehen kann… äh, wie, deutsch ist nicht die Sprache der Einheimischen? Spanisch? Nee, oder???
Jupp schaut vom Reiseführer auf und kratzt sich verwundert am Kopf. Nicht, dass er solch ein Büchlein gebraucht hätte. Aber vielleicht findet er ja doch noch eine Ecke, die er noch nicht kennt. So ganz ohne Rad will er der Deutschen liebstes Eiland erkunden… MALLORCA.

Natürlich geht Jupp nicht an den als Ballermann bekannten Strandabschnitt El Arenal mit seinen Bettenhochburgen, auf denen sich in der Badesaison zigtausende Sauf-Touris die Bettwäsche in die Hand geben. Das ist natürlich unter dem Niveau unseres Eiermän, denn unter all den Landsleuten, Inselaffen und neuerdings auch Russen gibt es schließlich niemanden, der es mit seiner natürlichen Performance und Klasse beim Sangria-Saufen aufnehmen kann.

Jupp hat sich daher für ein malerisches Bergdörfchen im Norden der Insel entschieden, wo er in aller Abgeschiedenheit und Ruhe einfach mal ein paar Tage ausspannen und innerhalb der gebuchten Woche schlappe 200 Lauf- und 50 Schwimmkilometer abspulen will. Damit am Flughafen kein Zuschlag für Übergepäck notwendig wird, verzichtet Jupp zugunsten eines zweiten Paars Laufschuhe auf eine dritte saubere Unterhose. Bestens gelaunt bricht Jupp zum Flughafen auf und überzeugt nach reibungsloser Anfahrt den Zollbeamten, dass er keinen Käse auf die Balearen schmuggeln will, sondern seine Treter eben nur verdeutlichen, dass er als Held der Landstraßen sein Material nur den härtesten Bedingungen unterzieht und daher ein gewisser Preis gezahlt werden muss.

Dennoch muss er unter Androhung einer Nacht in einer Gefängniszelle murrend zustimmen, dass seine Laufschuhe aus dem Handgepäck verschwinden und im Koffer platziert werden. Zum Schutz der nationalen Sicherheit und der internationalen Flugsicherung sei dieser Schritt unabdingbar, auch wenn unser Hero nun keinen neuen Weltrekord im Pauschal-Touri-Hasenstall-Umrunden aufstellen kann. Sein Plan war es, im wahrsten Sinne „Fit wie ein Turnschuh“ auf der Insel zu landen und bis dahin die Weg im Flieger zumindest pausenlos entlang zu walken. Natürlich nur in der festen Überzeugung, dass ihn auf dem Flug niemand kennt. Walking ist ja schließlich nur etwas für…der geneigte Leser mag einen Ausdruck seiner Wahl einfach ergänzen.

Aber Jupp muss sich laut fluchend eingestehen, dass dieser verpennte Beamten-Esel ihm diese Vorbereitung auf die Präsentation seines makellosen One-Pack im Gebirge von Malle versaut hat. Aber was wären Hindernisse, die nicht gelöst werden könnten und nach knapp zwei Stunden macht sich Jupp auf, sein Domizil mit einem Mietfahrrad zu erreichen. Wozu die Kohle für ein Taxi raus hauen, wenn man auch auf diesem Weg in seine Fitness investieren kann UND in seine Kraft. Denn dieser Drahtesel – oder sagen wir – Eisenesel muss erst einmal einen Anstieg hoch gewuchtet werden, was Jupp aber mit einer läppischen Handbewegung und dem wütend gezischten Hinweis, auf seinen Kultstatus abtut, als ihn die – zugegebenermaßen hübsche Dame beim Verleih – darauf aufmerksam machen will. Wäre Jupp nicht in so guter Laune gewesen, hätte er die Lady rund gemacht. Aber so hat er nochmals Gnade vor Recht gehen lassen!

Jupp verstaut sein Equipment auf dem Velo, wickelt das rechte Hosenbein hoch um der iberischen Inselwelt seine epilierte Quarkwade zu präsentieren und strampelt gut gelaunt der untergehenden Sonne entgegen. Just in dem Moment fällt ihm ein Song ein, den ein ihm nachempfundener Comic-Held immer am Ende seiner Abenteuer gesungen hat…“I’m a poor lonesome Cowboy…“

Nach gefühlten 20 Stunden und realen zehn Minuten kommt Jupp gewaltig ins Schwitzen und viel schlimmer noch, die Nacht fällt wie ein dunkler Schatten über ihn her. Jupp hat den letzten Vorort von Palma hinter sich gelassen und die Dunkelheit hüllt ihn schlagartig ein und unser Eiermän muss feststellen, dass die tollsten, am Vehikel montierten Scheinwerfen nicht wirklich viel nutzen, wenn keine Batterien drin sind. Wie ein Maultiertreiber über die Verleiher fluchend – die hübsche Lady wohlwollend außen vor lassend – bemerkt Jupp gar nicht, dass ihm seit ein paar Minuten ein Auto Geleitschutz bietet.

Als ihm das dann endlich auffällt, freut sich Jupp zunächst über die Freundlichkeit der iberischen Einheimischen, dreht sich um und will dankbar winken, als er bemerkt, dass seine Begleiter ebenfalls ohne Licht durch die sternenklare Nacht cruisen.
„Na ja, vielleicht ist das hier so üblich.“ denkt unser Hero. Wenn er normalerweise auf diesem Eiland ist und Kilometer um Kilometer frisst, brauchen weder er noch die Autofahrer auf den Straßen Licht. Und nachts pendelt unser Hero in der Regel nur noch zwischen den üppigen All-you-can-eat-Buffets, der lokalen Disse mit den 70er Jahre Mitgröhl-Knallern (ab 3l Sangria ist alles möglich) und seinem Bett hin und her.

Plötzlich tritt der Fahrer das Gaspedal durchs angerostete Bodenblech und bringt einen Augenblick später seine Karre unmittelbar vor Jupp wieder zum Stehen, so dass es unseren Helden der Landstraße auf die Schnauze haut.
„Hey ihr Idioten, passt doch auf. Ihr wisst wohl nicht, mit welch einem Helden von Hawaii ihr es hier zu tun habt. Wenn ich mich verletze, macht euch meine Versicherung regresspflichtig. Ich werde euch verkl…“

Jupps Schimpfkanonade verstummt augenblicklich, als er im fahlen Mondlicht in ein dunkles Loch blickt, um das herum sich ein stattlicher Revolver befindet, den ihm der flink ausgestiegene Beifahrer unter die Nase hält. Mit einem unwilligen Wedeln mit der Waffe macht er Jupp klar, dass er aufstehen und von seinem Packesel wegtreten soll. Innerhalb kürzester Zeit ist das Rad samt Jupps Habseligkeiten im Kofferraum des Wagens verschwunden und die die „Gepäck-Napper“ sind davon gebraust.

Verdattert schaut unser Eiermän den Dieben hinterher und ist etwas, was er nicht allzu oft ist: sprachlos!!! Was soll er nun tun? Glücklicherweise hat er sein Handy in der Hose gelassen und nicht in den Rucksack gesteckt. Es gibt für ihn eigentlich nur eine Alternative. Der Mann, dem er in der Firma mit den vier großen Buchstaben verpflichtet ist, hat hier eine Finca. Und er ist auch gerade hier. Gestern mit seinem Privatjet angekommen. Vielleicht könnte er ihn wieder nach Hause mitnehmen. Jupp sucht die Nummer und hört dem Freizeichen zu.
 

 

 

 

 

 

 

 

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